Chronikerprogramm Diabetes verschlingt Millionen für Verwaltung

Dresden: "Schwer im Magen liegt mir als Diabetologe das Disease-Management-Programm Diabetes Typ II. Die Kopplung der Chronikerprogramme an den Risikostrukturausgleich (RSA-DMP) erweist sich immer mehr als absolute Fehlsteuerung. Die vordergründige Motivation der Gesetzlichen Krankenkassen, die Umsetzung der Programme zu verfolgen, sind vordergründig finanzieller Art.", so der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Prof. Dr. Jan Schulze, in seiner Rede auf der 31. Kammerversammlung der sächsischen Ärzte.

 

Teilweise wurden Patienten in das Programm aufgenommen, obwohl sie gar nicht da hinein gehören. "Masse statt Klasse" sind die Folge solcher ökonomischer Fehlanreize. Offensichtlich wird auch, dass Krankenkassen nur dann neue selektive Vertragsformen eingehen, wenn sie mit einer Subventionierung aus anderen "Töpfen" rechnen können und das Kostenrisiko für sie gering bleibt. Prof. Schulze: "Denn wie sonst lässt sich die Zurückhaltung bei anderen Vertragsformen im Vergleich zu DMP erklären".

 

Dennoch feiert sich die Bundesgesundheitsministerin in Berlin vor allem selbst, wenn sie behauptet, die Qualität der Versorgung wesentlich zu verbessern, ohne auch nur einen Nachweis dafür erbringen zu können. Es ist eine nicht nachprüfbare Aussage, weil die Programme weder wissenschaftlich evaluiert noch begleitend erforscht werden. Trotz enormer Datensammlungen werden diese keiner Auswertung zugeführt. Es erfolgt de facto keine Qualitätssicherung. Das Bundesgesundheitsministerium verknüpft den angeblichen Erfolg des DMP Diabetes deshalb mit Studienergebnissen, die vorher durchgeführt wurden.

 

Nachprüfbar sind tatsächlich nur die enorm gestiegenen Ausgaben für die Verwaltung des DMP Diabetes, wie es sie bei auf den Diabetes Leitlinien beruhenden Diabetesvereinbarungen in Sachsen vorher nicht gab. Die Techniker Krankenkasse zum Beispiel hat vor den RSA-DMP im Rahmen der Diabetes Leitlinien im Jahr 2002 lediglich 1.500 Euro für das externe Daten- und Qualitätsmanagement, einschließlich der Evaluation im Rahmen der damaligen Diabetesvereinbarung, aufgewendet. Im Jahr 2004 stiegen allein die Ausgaben für die Datenverarbeitung auf 50.000 Euro. Dieses Geld wird wohlgemerkt nicht für die Behandlung von Patienten, sondern ausschließlich für die Verwaltung und Datenerfassung verbraucht. Eine Behandlungsverbesserung chronisch kranker Menschen steht, wenn überhaupt, an zweiter Stelle. Prof. Schulze: "Ich gehe davon aus, dass langfristig das DMP Diabetes zu höheren Beiträgen für die Versicherten und die Krankenkassen führt".

 

Weitere Informationen unter 0351 / 82 67 350.

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