Aktuelle Tendenzen der Gesundheits- und Berufspolitik

10.11.2007

Dresden: In seiner Grundsatzrede zur 37. Kammerversammlung wies der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze, auf drei Trends der Gesundheits- und Berufspolitik der letzten Jahre hin, die die ärztliche Tätigkeit und das Berufsbild "Arzt" beeinflussen und Reaktionen der Berufspolitik verlangen.

 

Trend 1: Einführung einer Einheitsversicherung mit Aufhebung der Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung
Die Wahltarife bei den gesetzlichen Krankenversicherungen, d.h. die Aufweichung des Solidarprinzips und die damit einhergehende Übernahme von Elementen der privaten Krankenversicherung sowie die Einführung des Basistarifs in der privaten Krankenversicherung, sind eindeutige Schritte in Richtung einer zukünftigen einheitlichen Versicherung.

 

Trend 2: Veränderung der Therapiefreiheit
Einerseits gelten im GKV-System unbestimmte Rechtsbegriffe, wie das Anrecht der Patienten auf eine ausreichende, zweckmäßige, unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten stattfindende und das Maß des Notwendigen nicht überschreitende Therapie. Diese Begriffe sind auf ein Individuum, nicht aber auf die Gesamtheit der Versicherten gerichtet. Andererseits ist dieses Prinzip mit der Einbeziehung der Finanzierbarkeit des Gesamtsystems als übergeordneter Parameter eingeschränkt worden. Das dafür schon vor Jahren entwickelte Instrument ist ein Leistungskatalog, der nicht nur nach Nutzengesichtspunkten aufgebaut ist, sondern nach Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten. Damit mischt sich der Staat massiv in die Ausgabenseite ein und steuert das Leistungsgeschehen. Eine medizinische Rationierung ist die Folge.

 

Trend 3: Zersplitterung der ärztlichen Kompetenz
Das Gutachten des Sachverständigenrates "Kooperation und Verantwortung. Voraussetzungen einer zielorientierten Gesundheitsversorgung" fordert eine optimale Ressourcenallokation im Gesundheitswesen und einen Neuzuschnitt von Aufgaben aller an der Gesundheitsversorgung Beteiligten. Eine Verbesserung in mangelhaften Versorgungssituationen könne durch die Übertragung ärztlicher Aufgaben an nichtärztliche Gesundheitsberufe erreicht werden. Die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe wird im Gutachten in eine Richtung gedeutet, die dazu führen könnte, dass die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland sinkt. Doch gerade die Qualitätssicherung im Gesundheitswesen genießt bei den sächsischen Ärzten eine hohe Priorität.

 

Die vollständige Rede des Präsidenten lesen Sie hier:

 

Weitere Informationen unter 0351/8267-160.

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