Sind Hausarztmodelle tatsächlich wirkungslos?

11.01.2008

Der aktuelle "Gesundheitsmonitor 2006" der Bertelsmann Stiftung, der seit 2001 zweimal jährlich einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung zu aktuellen Themen des deutschen Gesundheitswesens befragt, kommt zu dem Ergebnis, dass die seit vier Jahren in Deutschland angebotenen Hausarztmodelle der gesetzlichen Krankenkassen bisher nicht die erwünschte Wirkung gebracht haben. Seit 2004 bieten die Kassen solche Modelle an, bei denen sich Patienten freiwillig für mindestens ein Jahr verpflichten, bei gesundheitlichen Problemen zuerst ihren Hausarzt und nicht gleich einen Facharzt aufzusuchen. Ziel ist es, den Patienten dadurch ein Plus an medizinischer Beratung und Sicherheit zu bieten und die Koordination zwischen Haus- und Fachärzten zu verbessern.

 

Der "Gesundheitsmonitor" - für die dargestellten Ergebnisse wurden sechs Befragungswellen von Oktober 2004 bis April 2007 mit insgesamt über 9.000 Personen zusammengefasst - kommt zu dem Schluss, dass Hausarztmodelle in der heutigen Form weitgehend wirkungslos sind und für den Patienten keine bessere medizinische Versorgung bringen. Begründung der Stiftung: Zum einen lag die Anzahl der Facharztbesuche bei Teilnehmern an Hausarztmodellen insgesamt deutlich höher, als außerhalb der Modelle und stieg innerhalb des Untersuchungszeitraumes sogar an. Zum anderen berichteten deutlich weniger Teilnehmer an Hausarztmodellen von einer Besserung ihres Gesundheitszustandes nach der Behandlung als außerhalb der Modelle.

 

Diese Schlussfolgerungen zu Hausarztmodellen stellen aus Sicht der Sächsischen Landesärztekammer lediglich eine Zwischenbewertung dar und beinhalten viele noch offene Fragen.

 

"Zum einen betreffen Hausarztmodelle langfristige Prozesse und benötigen dementsprechend Anlaufzeit. Da es die Modelle erst seit 2004 gibt, reicht für eine endgültige Beurteilung ihrer Qualität der Befragungszeitraum von Oktober 2004 bis April 2007 nicht aus", so Erik Bodendieck, Vizepräsident der Sächsischen Landesärztekammer und selbst niedergelassener Allgemeinmediziner. Außerdem ist bei der Auswertung der Befragungsergebnisse beispielsweise zu berücksichtigen, dass Patienten in unserem Gesundheitssystem seit Jahrzehnten daran gewöhnt sind, dass nur Fachärzte bestimmte Leiden heilen können. Auch das könnte, so Erik Bodendieck, ein Grund dafür sein, dass die Zahl der Facharztüberweisungen im Hausarztmodell zunächst höher ist, als außerhalb.

 

Trotz noch offener Diskussionspunkte begrüßt die Sächsische Landesärztekammer diese und ähnliche regelmäßige Evaluierungen, die die oft sehr komplexen gesundheitspolitischen Prozesse begleiten und hinterfragen. Sie tragen dazu bei, diese zielgerichtet und zeitgemäß weiter zu entwickeln.

 

Rückfragen unter 0351/ 8267-160

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