Das Arztbild der Zukunft: Ärzte haben Schlüsselrolle im Gesundheitswesen

02.06.2008

Der 111. Deutsche Ärztetag vom 20. bis 23. Mai 2008 in Ulm, hat zehn Thesen zum Arztbild der Zukunft und zur Rolle des Arztes bei der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens beschlossen. Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer und Mitglied im Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK), hatte die zehn Thesen in einem Leitvortrag zum Arztbild der Zukunft auf Bitte des BÄK-Vorstandes dem 111. Deutschen Ärztetag verdeutlicht.

 

Bereits seit Jahren warnt der Deutsche Ärztetag davor, dass dem deutschen Gesundheitswesen die Ärzte ausgehen. Die Frage nach dem "Warum?" wurde bereits vielfältig mit Statistiken und Defizitanalysen beantwortet. Die qualitative Dimension des Ärztemangels aber blieb bisher unbeachtet - Auswirkungen der Versorgungsengpässe auf das Arztbild und unerwünschte Nebenwirkungen eines veränderten Arztbildes auf die Qualität der Patientenversorgung.

 

"Der Arzt hat eine Schlüsselrolle im Gesundheitswesen", so Prof. Schulze in der Einführung seines Vortrages. "Diese ergibt sich aus den Alleinstellungsmerkmalen des Arztberufes: Expertentum, Handlungskompetenz in komplexen Entscheidungssituationen, Übernahme persönlicher Verantwortung als Teil des Behandlungsauftrages, professionelle Autonomie im Sinne eines freien Berufs und eine spezifische Berufsethik. Das Sich-Anvertrauen des Patienten ist Kern der ärztlichen Ethik, verankert in der Berufsordnung der Ärzte."

 

Zehn Thesen zum Arztbild der Zukunft und zur Rolle des Arztes bei der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens:

 

These 1: Ärztliche Alleinstellungsmerkmale
Ärzte sind die maßgeblichen Träger des Gesundheitswesens. Der Arztberuf verfügt über unverwechselbare Alleinstellungsmerkmale.

 

These 2: Ärztliches Bekenntnis zur Freiberuflichkeit
Die Ausübung des Arztberufs verlangt eine Grundeinstellung, die zusätzlich zur medizinischen Fachkompetenz als essentiell für den Arztberuf angesehen und auch in Zukunft von einem guten Arzt erwartet wird: Dies ist die Grundhaltung, den Patienten ernst zu nehmen, Fürsorge und Respekt aufzubringen, dialogfähig zu sein und seine eigenen Grenzen zu erkennen.

 

These 3: Vertrauensstellung des Arztes
Die besondere Position des Arztes im Gesundheitswesen ist kein Selbstzweck, sondern erfüllt aus dem Blickwinkel der Patienten eine besondere Funktion. Für den Patienten ist der Arzt nicht nur ein Experte für Gesundheit und Krankheit, sondern eine unverzichtbare Vertrauensperson.

 

These 4: Unattraktivität der Rahmenbedingungen ärztlicher Berufsausübung
Der Arztberuf ist ein anspruchsvoller Beruf, den die Gesellschaft braucht, der bei den Patienten hohes Ansehen genießt und der eigentlich einer der schönsten Berufe der Welt sein könnte, wenn das persönliche Engagement der Ärztinnen und Ärzte nicht durch vor allem staatliche Fremdbestimmung erstickt würde.

 

These 5: Unteilbarkeit der ärztlichen Rolle
So wie unsere Patienten es zu Recht ablehnen, auf Symptome und Diagnosen reduziert zu werden, müssen wir Ärzte es ablehnen, auf eine Teilfunktion reduziert zu werden! Eine patientenorientierte Medizin und ein leistungsfähiges Gesundheitswesen brauchen den "ganzen" Arzt und keinen Heiltechnokraten!

 

These 6: Desillusionierung falscher Heilserwartungen
Unsere Gesellschaft muss wieder lernen, mit Krankheit, Alter und Tod zu leben. Gleichzeitig muss sich der Arzt von einem unkritischen Machbarkeitsglauben und der Überfrachtung der ärztlichen Rolle mit falschen Heilserwartungen distanzieren, wie sie in dem überkommenen Bild des Arztes als "Halbgott in Weiß" zum Ausdruck kommt. Die Rolle des Arztes ist keine omnipotente, sondern die des besten Anwalts des Patienten.

 

These 7: Schwerpunkte ärztlicher Tätigkeit in Zukunft
Die Patienten und Versicherten wollen und sollen mehr Eigenverantwortung für Gesundheit und Krankheit übernehmen. Patientensouveränität und die Bereitschaft zur Übernahme von mehr Eigenverantwortung für die Gesundheit machen die ärztliche Expertise jedoch nicht überflüssig.

 

These 8: Teamorientierung als Grundeinstellung
Kommunikative Fähigkeiten und Teamorientierung sind für den Arzt von morgen unverzichtbar. In Anbetracht der Komplexität der modernen Medizin und der soziodemographischen Entwicklung muss die medizinische Versorgung als Teamaufgabe begriffen werden.

 

These 9: Primat des Patientenwohls als Leitprinzip im Gesundheitswesen
Die Patientinnen und Patienten vertrauen ihren Ärzten, aber nicht mehr dem Gesundheitssystem!

 

These 10: Potential ärztlicher Kompetenz und Verantwortlichkeit
Die gesundheitspolitischen Entscheidungsträger müssen erkennen, dass die im Gesundheitswesen tätigen Ärzte und die Angehörigen der anderen Gesundheitsberufe die wichtigste Ressource im Gesundheitswesen darstellen.

 

Weitere Informationen unter 0351 / 82 67 160.

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