Ärztemangel in Sachsen und Polen

16.09.2008

Dresden: Auf dem 4. Deutsch-polnischen Symposium der Sächsischen Landesärztekammer und der polnischen Niederschlesischen Ärztekammer in Dresden haben die Präsidenten der Ärztekammern auf den Ärztemangel in beiden Ländern hingewiesen.

 

"Zahlreiche Ärzte sind nicht erst seit 2004 (EU-Beitritt) aus Polen nach Westeuropa, insbesondere nach England und Skandinavien aber auch nach Deutschland ausgewandert", so Dr. Andrzej Wojnar, Präsident der Niederschlesischen Ärztekammer in Breslau. "Das Gefälle bei den Gehältern und die besseren Arbeitsbedingungen sind nur zwei Gründe für diesen Trend". Um polnische Ärzte im Land zu halten, müssten die Gehälter verbessert sowie die EU-Richtlinie zur Anerkennung der Bereitschaftszeit als Arbeitszeit konsequent umgesetzt werden. Dies müsse vor allem ohne Druck durch die Arbeitgeber erfolgen.

 

Prof. Dr. Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, wies darauf hin, dass derzeit 159 polnische Ärzte in sächsischen Krankenhäusern arbeiten und so manche Station aufrecht erhielten. Deutsche Ärzte seien nur schwer zu finden, denn junge Mediziner wanderten wegen der Bürokratie und sich verschlechternden Arbeitsbedingungen nach Westdeutschland oder in das Ausland ab. Aber ausländische Ärzte seien für Sachsen nicht die Lösung, so Prof. Schulze.

 

Dr. Otmar Kloiber, Generalsekretär des Weltärztebundes, hob das Thema auf eine andere Ebene und meinte, dass an unseren Dimensionen gemessen, die Zahl der Fachkräfte, die aus anderen Ländern nach Europa kommen, geradezu klein sei. Dennoch bewirke eine Nord-Süd Migration durch die kolossal unterschiedliche Ärztedichte eine spürbare Abwanderung von Ärzten in die reichen Länder der Welt. Der gegenwärtige Arztmangel in Mittel- und Westeuropa sei also mehr als ein lokales Problem reicher Länder bei der Versorgung ihrer ländlichen Regionen. Er trage mit zu einer katastrophalen Versorgungslage in den ärmsten Ländern der Welt bei. Sicher gehörten die mitteleuropäischen Länder quantitativ nicht zu den Hauptverursachern der gegenwärtigen Krise. "Aber wenn wir zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung in den ärmsten Ländern der Welt beitragen wollen, dann können wir entweder neue Barrieren aufbauen oder realistische Perspektiven für die Entwicklungsländer schaffen" so Dr. Kloiber. Dazu gehöre eine Beseitigung des eigenen Mangels oder der eigenen Fehlverteilung.

 

Die beiden Präsidenten forderten deshalb die jeweiligen Landesregierungen auf, die Arbeitsbedingungen in Deutschland und Polen so zu gestalten, dass die eigenen Ärzte gehalten werden könnten.

 

Weitere Informationen und Fotos unter 0351 82 67 160.

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