Studie zu Effizienzreserven im Gesundheitswesen enttäuschend - Sächsische Landesärztekammer: Versorgungsqualität vollkommen ausgeblendet!

09.01.2009

Eine vorgestellte Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zu angeblichen Effizienzreserven im Gesundheitswesen in Höhe von bis zu 9,8 Mrd. Euro ist höchst fragwürdig. Denn die Schlussfolgerungen der vorgelegten Studie basieren auf reinen ökonomischen Faktoren, ohne die Versorgungsqualität zu berücksichtigen.

 

Bereits beim internationalen Vergleich verweist man auf preiswertere Gesundheitssysteme, ohne auch darzustellen, wie es um die Versorgungsqualität in den billigen Systemen bestellt ist. Es fehlen Vergleiche zur Lebenserwartung, zur Notfallversorgung, zur stationären Nachsorge, zu den Komplikationen und zu Wartezeiten für OP- oder Facharzttermine. Ähnliche Angaben fehlen auch im Vergleich der deutschen Bundesländer.

 

Grundsätzlich können die Preise der medizinischen Leistungen natürlich verglichen werden. Aber dabei kann man doch nicht die schlechtesten Vergütungen und die dünnste Versorgung zum Standard machen. Eine unterschiedliche Anzahl an Behandlungsfällen in den jeweiligen Ländern kann auch ein Indiz dafür sein, dass es dort bestimmte ärztliche Spezialgebiete gibt. Einer der vielen Grundirrtümer der Studie liegt gerade darin, dass jeder regionale Unterschied unmittelbar als Effizienzreserve gewertet wird.

 

Aber Erkrankung und Genesung sind nicht normierbar. Zwischen den Sachsen, den Mecklenburgern oder den Niedersachsen bestehen nun einmal Unterschiede, auch im Hinblick auf Krankheitsbilder und Verläufe. Erkrankungen und Genesungsverläufe werden im hohen Maße auch vom jeweiligen Patienten und seinem persönlichen sozialen Hintergrund bestimmt. Institute dürften diese Tatsache bei Studien über angebliche Effizienzreserven im Gesundheitswesen nicht ausblenden. Denn so erreicht man nur eine weitere Rationierung von Leistungen.

 

Und wer ein preiswertes Gesundheitssystem wie zum Beispiel in Mexiko möchte, der muss auch die entsprechende Versorgungsqualität akzeptieren. Am besten, man fragt die Patienten!

 

Weitere Informationen unter 0351 8267160.

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