Wissenschaftsrat zur Weiterentwicklung der Universitätsmedizin in Sachsen: Forschung und Versorgung gut aufgestellt - Unterfinanzierung in vielen Bereichen

20.10.2017

Im Sommer vergangenen Jahres hat das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst den Wissenschaftsrat mit der umfassenden Evaluierung der Universitätsmedizin in den beiden Standorten Dresden und Leipzig beauftragt. Untersucht wurden die Bereiche Forschung und Lehre sowie die Krankenversorgung einschließlich der Internationalisierung, der Nachwuchsförderung und der Finanzierung. Jetzt liegen die Ergebnisse der Evaluierung vor.

 

Danach sieht der Wissenschaftsrat die Universitätsmedizin in Dresden und Leipzig in der Forschung und Krankenversorgung derzeit sehr gut aufgestellt. Der Wissenschaftsrat würdigt die Beiträge des Freistaats Sachsen zur Entwicklung von zwei konkurrenz- und leistungsfähigen universitätsmedizinischen Standorten. Diese hätten trotz zunächst herausfordernder Rahmenbedingungen national und international sichtbare Profile ausgebildet. Daraus würden sich Chancen für wirtschaftliche Innovationen ergeben. Für die Zukunft wird zum Erhalt und zur Weiterentwicklung des hohen Leistungspotentials eine verbesserte Finanzierung in konsumtiver und investiver Hinsicht empfohlen.

 

Beiden Standorten wird vom Wissenschaftsrat eine funktionsfähig und erfolgreich ausgestaltete Zusammenarbeit zwischen Medizinischer Fakultät und Universitätsklinikum bescheinigt. Es sei zudem gelungen, exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu gewinnen.

 

Der Wissenschaftsrat spricht sich zudem dafür aus, die vertraglich vereinbarten Kooperationen zwischen Dresden und Leipzig vor allem im Bereich der Forschung, aber auch im technischen und administrativen Bereich umzusetzen bzw. zu vertiefen und zu erweitern, etwa bei metabolischen sowie neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen sowie im IT-Bereich.

 

Bezüglich der Krankenversorgung würdigt er sowohl für Dresden als auch für Leipzig die gelungene Verknüpfung von wissenschaftlichen und klinischen Schwerpunkten. Beim wissenschaftlichen Nachwuchs hält der Wissenschaftsrat an beiden Standorten den Anteil an Promotionen in strukturierten Programmen noch für ausbaufähig. Im Bereich der Lehre sieht der Wissenschaftsrat auf den jeweiligen Standort bezogen weiteren Verbesserungsbedarf. Die Einrichtung des Medizindidaktischen Zentrums in Leipzig etwa betrachtet der Wissenschaftsrat als positive Entwicklung für die weitere qualitative Verbesserung der Lehrleistung, die noch mehr durch Anreize und Förderprogramme unterstützt werden sollte.

 

Speziell auf Dresden bezogen hebt der Wissenschaftsrat das prägnante und erfolgreiche wissenschaftliche Profil der Universitätsmedizin hervor, mit ihren drei national und international sichtbaren Forschungsschwerpunkten „Onkologische Erkrankungen", „Metabolische Erkrankungen", und „Neuro-logische und psychiatrische Erkrankungen".

 

Für die Universitätsmedizin Leipzig schlägt der Wissenschaftsrat vor, sich auf den Ausbau ihrer Forschungsschwerpunkte „Zivilisationskrankheiten", „Regenerative Medizin/Klinische Regeneration" und „Erkrankungen von Gehirn und Seele" weiter zu konzentrieren. Diese Bereiche würden über ein hohes wissenschaftliches Potential verfügen.  Der Forschungsschwerpunkt „Zivilisationskrankheiten" etwa gehöre zu den führenden deutschen Zentren für Adipositasforschung.

 

Der Wissenschaftsrat lobt mit seiner sehr ernstzunehmenden Begutachtung die Lehre und Forschung an der Fakultät Leipzig ausdrücklich, attestiert punktuell auch international konkurrenzfähige, wissenschaftliche Exzellenz, stellt dabei jedoch eine Unterfinanzierung in allen Bereichen fest. Der Wissenschaftsrat würdigt in seinem Bericht, dass es der Universitätsmedizin Leipzig gelungen sei, starke Forschungsprofile auszubilden. Insbesondere die inhaltliche Strategie und die Projekte zur Weiterentwicklung der Medizininformatik und der dafür erforderlichen IT-Systeme wurden besonders hervorgehoben, verbunden mit dem Hinweis, dass diese Initiativen nur durch die Absicherung des Investitionsbedarfs auch langfristig erfolgreich sein können.

 

Die Empfehlung des Wissenschaftsrat bezüglich einer verbesserten Finanzierung  der Universitätsmedizin soll auch zum Abbau der Investitionsstaus dienen, um die Standorte auch zukünftig konkurrenz- und leistungsfähig zu erhalten. Dabei erkennt der Wissenschaftsrat ausdrücklich an, dass die Bundesländer - so auch Sachsen - bei der Finanzierung der Universitätsmedizin - vor allem durch die anwachsenden Investitionsbedarfe u. a. im IT-Bereich - vor großen Herausforderungen stünden.

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