Page 11 - Ärzteblatt Sachsen, Februar 2026
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GESUNDHEITSPOLITIK
Tumorberatungsstelle nur noch nach
individuellem Bedarf aufzusuchen . Im
Umgang mit der Erkrankung und den
bestehenden Lebensunsicherheiten hat
sie spürbar an Sicherheit gewonnen .
Hier zeigt sich, dass es wichtig ist, den
Bekanntheitsgrad des Beratungsange-
botes zu erhöhen und die Informatio-
nen aktiv an den Patienten heran zu
tragen .
Junge Familie mit Glioblastom –
komplexe Versorgung über
2,5 Jahre (Fallbeispiel 2)
Eine 35-jährige Patientin aus Bautzen
mit infauster Prognose bei einem Glio- © GA Bautzen
blastom Grad IV wurde über einen Kli-
nikflyer sowie den Sozialdienst der Abb . 2: Gesprächssituation/Beratungssituation
Uniklinik Dresden an die Tumorbera-
tungsstelle des Landkreises vermittelt . Problem dar, das betroffene Familien milie zu Beginn stark alleingelassen
Die Begleitung der gesamten Familie erheblich belastet, da es an alltags- und hilflos . Die Tumorberatungsstelle
erstreckte sich über einen Zeitraum praktischer Unterstützung fehlt . Eine unterstützte insbesondere durch die
von etwa 2,5 Jahren . In dieser Zeit wur- Haushaltshilfe über die Pflegeleistung Aktivierung privater Ressourcen (Groß-
den zwei Operationen sowie mehrere kann diese Aufgaben nicht in dem er- eltern, Verwandte, Freunde, Nachbar-
Radiochemotherapien durchgeführt und forderlichen Umfang leisten . schaft), die Beratung zu Entlastungs-
der Krankheitsverlauf eng durch die angeboten sowie durch Vorschläge zur
Tumorberatungsstelle begleitet . Alltagsorganisation: eine Lücke besseren Strukturierung des Familien-
Nach der zweiten Operation traten eine im System alltags . Auf diese Weise gelang zu-
rechtsseitige Hemiparese sowie ausge- Viele Familien mit minderjährigen Kin- nächst eine spürbare Entlastung aller
prägte kognitive und neuropsychologi- dern benötigen dringend praktische Beteiligten .
sche Einschränkungen auf, die den Fa- Unterstützung im Alltag, da der gesun-
milienalltag massiv beeinflussten . de Elternteil häufig gleichzeitig Pflege- Psychoonkologische Begleitung,
person und faktisch alleinerziehend ist . palliative Versorgung und
Sozialrechtliche Unterstützung Leistungen der Familienhilfe über das letzte Lebensphase
Die Tumorberatungsstelle übernahm Jugendamt greifen oft nicht, da hierfür Parallel erhielten die Patientin und ihr
die Beratung und Antragstellung unter ein anerkannter pädagogischer Bedarf Ehemann eine kontinuierliche psycho-
anderem für den Schwerbehinderten- nachgewiesen werden muss . onkologische Begleitung . Entlastungs-
ausweis, Parkerleichterungen, den Pfle- Im vorliegenden Fall fühlte sich die Fa- gespräche zur Reduktion von Angst
gegrad und Pflegeleistungen sowie für
familienentlastende Leistungen wie Anzeige
Kinderzuschlag, Kita-Beitragsreduktion
und Leistungen aus dem Bildungs- und
Teilhabepaket .
Besonders herausfordernd war der An-
trag auf Elternassistenz beim Sozial-
amt . Da schwerstkranke Patientinnen Praxismöbel für lebendige
und funktionelle Räume
und Patienten häufig nicht in der gefor-
derten Weise „aktiv beteiligt“ sein kön- Tel.: 03563 60 18 80
Mail: kontakt@jerosch.com
nen, wird diese Leistung regelmäßig Web: www.jerosch.com
abgelehnt . Dies stellt ein strukturelles
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