Page 36 - Ärzteblatt Sachsen, August 2026
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KUNST UND KULTUR



        MATERIAL




        Collage/Assemblage von Stefan Nestler




        Am Anfang und am Ende steht das
          Material; dazwischen Zufälle, aufwir-
        belnde Beweglichkeit und schließlich
        befestigende Anordnung . Einzelteile
        gleicher  Art  aus  einem  anscheinend
        unerschöpflichen Fundus und ihre mo-
        dulhafte Einbindung in eine räumliche
        Gestaltung – was sich beim Betrachten
        der Tableaus von Stefan Nestler sofort
        erschließt, ist die treibende Freude am
        Sammeln  und  Umwerten  von  Dingen,                                                                       © VG Bild-Kunst, Bonn
        ihrer handwerklichen Zurichtung und                                                                         Foto Frank Höhler
        ihrer Einbindung in neue sinnliche und
        somit Sinnzusammenhänge .           Stefan Nestler, Perforation, 2023, 62,5 x 140,5 x 7,5 cm, Assemblage auf Hartfaserplatte

        Abends in seiner Werkstatt bearbeitet  deutungen beraubt; doch innerhalb neu  Material ähnelt der Improvisation in der
        er Holz, Papier, Metall, Briefmarken, Zi- entstandener Bildflächen erblühen sie  Musik wie zum Beispiel in zeitgenössi-
        garettenfilter, Flaschendeckel, Schnüre;  auf neue Art, erzeugen Schönheit auf  schem Jazz; im Spielen stellen sich
        Streben von Jalousien, Zollstöcken oder  gewitzte Weise .               Raster, Reihen,  Rhythmen  und  deren
        Farbstifte; all diese „merkwürdigen,                                   Verschiebungen heraus, findet ein fu-
        wunderbaren Fundstücke aus seinem  Schon lange arbeitet der 1962 in Frei- genartiges Überlagern von Schichten
        zwischen Weltentdeckung, Erkenntnis- berg geborene, in Dresden lebende  statt . Das Ergebnis sind Bilder eines
        blitz und Geschichtstiefe weitgesteck- Künstler mit Fundstücken . Bildideen  manchmal ruhig wogenden oder an-
        ten  Erkundungsfeld“ (Christoph  Tan- variiert er zu Werkfolgen, sodass das  und abschwellenden Ganzen; im Raum
        nert) werden außerhalb ihrer üblichen  Serielle als Prinzip nicht  nur  die  Kom- innerhalb des Bildrahmens vollzieht es
        Nutzungszusammenhänge unter den  position eines einzelnen Tableaus, son- sich so wie der Klang in der Zeit .
        Händen des Künstlers zum Material .  dern sein Gesamtschaffen betrifft . In
        Spielerisch hin- und hergeschoben,  den Jahren 1988 bis 1992 studierte er  Damit erzeugt Stefan Nestler eine un-
        systematisch aufs Maß gebracht, mit- Fotografie an der Hochschule für Grafik  verwechselbare ästhetische Sprache .
        einander kombiniert, verflochten, in ein  und Buchkunst Leipzig bei Arno Fischer .  Unter anderem in der Dresdner Traditi-
        erdachtes und wieder aufzuhebendes  Seitdem umfasst das Spektrum seines  on der Abstraktion sich bewegend, er-
        System gebracht; dazu umflossen und  künstlerischen Ausdruckswillens Foto- blüht in seinen Tafeln aus Konstruktion
        umschlossen von Epoxydharz, – so er- grafie, Kunst am Bau, Collagen und As- Poesie . ■
        zeugt er mit ihnen neue Strukturen und  semblagen . Er erhielt Kunstpreise, Sti-
        farbig durchwirkte Felder; und werden  pendien und nahm an Ausstellungen           Dr . phil . Anke Fröhlich-Schauseil
        sie zu Bildern von Ruhe und Bewegung,  im In- und Ausland teil; seine Werke
        Flirren und Strömen; reizen zum Her- sind in zahlreichen Sammlungen ver-
        antreten und Abstandnehmen . Dabei  treten .
        gewinnt handwerkliche Präzision die                                     Ausstellung im Erdgeschoss der
        Anmutung anstrengungsloser Leichtig- In der kommenden Ausstellung in der  Sächsischen Landesärztekammer
        keit .                              Sächsischen Landesärztekammer wer- vom 21. August bis 23. Oktober 2026,
                                            den Objekte zu sehen sein, die nur in  montags bis donnerstags 9.00 bis
        Aus dem Zusammenhang gerissen,  ihrer äußeren Form an Gemälde erin- 18.00 Uhr, freitags 9.00 bis 16.00 Uhr,
        sind die Zeichen ihrer ehemaligen Be- nern . Die Art des Umgangs mit dem  Vernissage: 20. August 2026, 19.30 Uhr


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