Prof. Dr. Jan Schulze: Enge Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe unentbehrlich für medizinische Versorgungsqualität

10.04.2008

Dresden: Anlässlich der Eröffnung des 14. Interdisziplinären Pflegekongresses am 10. April 2008 betonte der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze, die Bedeutung der engen Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe für eine umfassende Patientenversorgung. "Nur durch die noch engere Verzahnung aller Heil- und Pflegeberufe kann zukünftig die Versorgungsqualität im Gesundheitswesen noch gewährleistet werden", so Prof. Dr. Schulze. "Dabei müssen sich aber Veränderungen der bisherigen Arbeitsteilung und auch der haftungsrechtlichen Regelungen immer am Nutzen für den Patienten orientieren und nicht an den Wünschen des einen oder anderen Gesundheitsberufes."

 

Hintergrund dieser Forderung ist, dass nichtärztliche Gesundheitsberufe, beispielsweise aus dem Pflege- oder Assistenzbereich, bereits seit einiger Zeit ärztliche Tätigkeiten in der Patientenversorgung eigenverantwortlich übernehmen möchten. Die Politik unterstützt diesen Ansatz - mit dem Ziel, auf diese Weise dem Ärztemangel und finanziellen Engpässen in der Gesundheitsversorgung entgegen zu wirken.

 

Aus Sicht der Sächsischen Landesärztekammer liegt die diagnostische und therapeutische Gesamtverantwortung für den Patienten weiterhin beim Arzt. Die angestrebten Maßnahmen und Vorhaben zur Substitution ärztlicher Leistung können dem bestehenden und sich verstärkenden Ärztemangel nicht entgegenwirken, sondern führen zu einer Verunsicherung der Patienten. Auf diese Weise wird der Behandlungsprozess parzelliert und parallelisiert und die klare Verantwortungshierarchie für medizinische Entscheidungen geht verloren. Parallelstrukturen in der Patientenversorgung sind deshalb aus Sicht der Ärzteschaft nicht zu verantworten.

 

"Es müssen im Sinne der Patienten optimale Wege gefunden werden, wie Heil- und Pflegeberufe näher zusammen arbeiten. Delegieren statt substituieren lautet hier der ärztliche Ansatz", so Prof. Dr. Schulze. Derzeit wird bereits in Modellen, wie z.B. dem Gemeindeschwesterprojekt AGNES in Sachsen, intensiv geprüft, inwieweit bestimmte ärztliche Leistungen auf andere Gesundheitsberufe übertragen werden können.

 

Völlig unklar ist aber noch, wie solche Leistungen überhaupt zu finanzieren sind. Laut im März 2008 verabschiedetem Pflege-Weiterentwicklungsgesetz dürfen zwar niedergelassene Mediziner ab 2009 von ihnen delegierte Leistungen, die von einer anderen Person im Hause des Patienten erbracht werden, als EBM-Leistung abrechnen. Nur sollen diese laut Gesetzgeber aus bestehenden Honorarmitteln der Ärzte finanziert werden. "Aus den bereits jetzt völlig ausgelasteten Budgets sind diese zusätzlichen Leistungen aber nicht zu finanzieren", so Prof. Dr. Schulze.

 

Der 14. Interdisziplinäre Pflegekongress findet am 10. und 11. April 2008 im Hotel Hilton in Dresden statt.

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