Page 32 - Ärzteblatt Sachsen, April 2026
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KUNST UND KULTUR



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        Gemälde von Martin Paul Mueller




        „Vielleicht .später“ – Der Titel der kom-
        menden Ausstellung in der Landesärz-
        tekammer  von  Martin  Paul  Mueller
        (*1982) ruft die Assoziation zu jenem
        Zwischen- und Schwebezustand hervor,
        der beim Erinnern erreicht wird . Der
        Künstler versetzt Personen, die in sich
        gekehrt, in rätselhafter Untätigkeit ver-
        harren, in undurchsichtige Bildräume
        im Nebel oder inmitten der Wolken .

        Das Gegenteil bilden „Läufer“ und „Sprin-
        ger“, „Reiter“, „Hunde“ oder „Spaceman“,
        wie die Titel ganzer Werkgruppen lau-
        ten .  In  eindrucksvoller  Präsenz sind
        Menschen und Tiere oder Fundstücke
        in Situationen von bildgewordener Zeit-
        losigkeit dargestellt .                                                                                 © M . P . Mueller
        Der aus dem thüringischen Saalfeld
          © SLÄK
        stammende Mueller studierte 2008 bis   Martin Paul Mueller, Springer, 2025, Öl auf Leinwand, 140 x 190 cm
        2014 an der Hochschule für Bildende
        Künste in Dresden bei den Professoren  cher Schwebe zwischen Brutalität und  in einem ansonsten undefinierbaren
        Wilhelm Mundt, Elke Hopfe und Wolf- Gelassenheit erscheinen unheimlich  Raum zeigt dem Betrachter die lücken-
        ram A . Scheffler und schloss ein Meis- und  zugleich  vertraut .  In  prägnanten  hafte und darum so emotionsgeladene
        terschülerstudium an . Er wird von der  Konturen gleichsam über die Leinwand  Präsenz vergangener – und nicht ein-
        Galerie The  Grass  is Greener  in  der  fegend, hetzen Hunde durchs Bild .   mal immer eigener – Sinneseindrücke .
        Leipziger Baumwollspinnerei vertreten .                                 Unschärfen sind malerische Metapher
        Prägende Eindrücke waren unter ande- In mehreren Gemälden bilden Schnee- für unscharfe Erinnerungen .
        rem das Schaffen von Käthe Kollwitz  gestöber, Wolkenballungen oder Rauch
        oder den Künstlern der Brücke-Gruppe  den amorphen Raum für Figuren, die  Auch wenn es anders erscheint, ist
        zu Beginn des 20 . Jahrhunderts .   sich mit Selbstverständlichkeit darin  Martin Paul Mueller die ästhetische An-
                                            bewegen; – seien es Turmspringer, die   mutung wichtiger als eine benennbare
        Doch die Quellen für seine Gemälde lie- in gestraffter Haltung fallen und fallen,  „Bedeutung“ . Diese bringt der Betrach-
        gen in dem ungeheuren Bilderfundus  seien es Hollywood-Schönheiten in kli- ter im Moment des Schauens mit . ■
        der Gegenwart . Mueller findet sie in  scheehaften Posen ohne Bezug zu ihrer
          Digitalbildarchiven und kombiniert sie  Umgebung oder Gestalten, die sich ge-    Dr . phil . Anke Fröhlich-Schauseil
        mit eigenen Vorstellungen in seiner  gen ein gleißendes Licht abschirmen .
        persönlichen Handschrift; zumeist in  Der umgebenden Leere ausgesetzt, er-
        einem sparsamen, differenzierten Ko- scheinen sie merkwürdig bekannt .   Ausstellung im Erdgeschoss der
        lorit,  das  nicht  vom  Gegenstand ab- Auf diese Weise wird das Erinnern ins  Sächsischen Landesärztekammer
        lenkt . Im kollektiven Bildgedächtnis  Bild gesetzt: von dringlicher Gegenwär- vom 17. April bis 17. Juli 2026,
        gespeicherte Szenen wie dem Astro- tigkeit, als Aufflackern und Vorbeihu- montags bis donnerstags 9.00 bis
        nauten auf dem Mond, „Ritter, Tod und  schen am Rande der Wahrnehmung .  18.00 Uhr, freitags 9.00 bis 16.00 Uhr,
        Teufel“ oder einem Haifisch in bedrohli- Ein Aufblitzen einzelner Gliedmaßen   Vernissage: 16. April 2026, 19.30 Uhr


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