Page 28 - Ärzteblatt Sachsen, April 2026
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LESERBRIEFE
Aktuelle Fälle aus der Gutachterstelle
Leserbrief zum aktuellen Fall der Gutachterstelle aus „Ärzteblatt Sachsen“,
Heft 1/2026, Seite 12 f.
Sehr geehrter Herr Dr . Kluge, gewesen . Die Entscheidung gegen eine Manch ein Grund- und Regelversorger
OP war korrekt . Die transgastrale Drai- hat große Expertise bei der Behandlung
dies ist ein Fall schwerer Komplikatio- nage des „abgekapselten Prozesses“ solcher Pankreasnekrosen . Ob dies für
nen einer Choledocholithiasis oder auch (Walled-off-necrosis, offensichtlich in- das betreffende Krankenhaus auch gilt,
der daraus folgenden ERCP . Die ERCP fiziert) war korrekt . Die transcutane kann hier naturgemäß nicht beurteilt
war eindeutig indiziert . Das Einver- Drainage von transgastral nicht er- werden .
ständnis des Patienten setze ich mal reichbaren Nekrosen ebenfalls . Nun
voraus . Die Komplikationen können lei- könnte man an Details diskutieren: Zusammenfassend kann ich keine ein-
der vorkommen, sind zum Glück selten, Hätte man noch etwas warten sollen? deutige Fehlbehandlung erkennen .
aber nicht untypisch . Nicht so lange? Welcher Stent wurde Die Therapie der Perforation nach Pa-
gewählt? Hätte ein größerer Stent mehr pillotomie mit retroperitonealer (nicht
Insgesamt sehe ich keine Verfehlung gebracht? Doch dies sind sicher keine intraperitonealer) Luft, war korrekt . Ob
seitens der beiden Krankenhäuser . Kriterien einer Fehlbehandlung . eine viszeralchirurgische Einschätzung
Die Verlegung am 17 . September auf erfolgt ist, wird nicht mitgeteilt . Diese
Die ERC war indiziert bei nachgewiese- die Normalstation ist hoffentlich nicht wäre zu fordern, hätte aber höchst-
nem Konkrement im DHC . Am Folge - nur aus Kapazitätsgründen, sondern wahrscheinlich nicht zu einem anderen
tag sind Schmerzen dokumentiert . Die auch wegen der stabilen Situation des Therapieansatz geführt . Das elf Tage
Komplikation einer Perforation ins Re- Patienten erfolgt . später aufgetretene „abdominelle Kom-
troperitoneum mit freier retroperitone- partmentsyndrom“ ist nicht Folge die-
aler Luft wurde am selben Tag erkannt . Die Tatsache, dass am 24 . September ser Perforation .
Abhängig von der Dynamik der allge- bei „Zustandsverschlechterung“ der Ent-
meinen Symptomatik und eventuell schluss zur chirurgischen Therapie er- Das Vorgehen bei Pankreasnekrosen
des Labors (nicht benannt) ist das ge- folgt ist, kann hier in Ermangelung wei- war ebenfalls im Wesentlichen korrekt .
wählte Vorgehen (DHC-Stenteinlage, terer Details nicht beurteilt werden, Der interventionelle Ansatz ist in aller
keine OP, Antibiose, engmaschige Kon- erscheint aber nachvollziehbar . Einen Regel dem chirurgischen vorzuziehen .
trolle) gut nachvollziehbar . Ein Stent Hinweis dafür, dass er zu spät erfolgt Die Einbindung der Viszeralchirurgie
war ohnehin gelegt . Antibiose und sei, erkenne ich in den mitgelieferten war hier, entsprechend der Angaben,
engfristige, hier intensivmedizinische, Daten nicht . Allenfalls könnte man am Tag der CT-Diagnose bereits erfolgt .
Überwachung sind korrekt . Ich gehe überlegen, ob die interventionellen Der Zeitpunkt der OP ist nicht zu kriti-
fest davon aus, dass hier bereits der Möglichkeiten sogar noch nicht ganz sieren . ■
Viszeralchirurg (!) eingebunden war . Es ausgeschöpft gewesen sein könnten .
wird jedoch nicht erwähnt . Falls nein, Doch auch dies führte sicher nicht zur Dr . med . Andreas von Aretin, Leipzig
so hätte er wahrscheinlich auch kein Einschätzung einer Fehlbehandlung .
anderes Vorgehen empfohlen . Die OP ist in der Behandlung der infi-
zierten nekrotisierenden Pankreatitis
Die dann aufgetretene Komplikation seit einigen Jahren weit hinter die (for-
einer nekrotisierenden Pankreatitis wird cierte) interventionelle Therapie ge-
typischerweise interventionell gastro- rutscht .
enterologisch behandelt . (Es wird nicht
erwähnt, ob eine Pankreatitisprophyla- Die Therapie beim Maximalversorger
xe [NSAR, Pankreasgang-Stent] durch- ist ebenfalls nachvollziehbar . Sie zeigt,
geführt wurde .) Hier ist der Viszeralchi- dass die interventionellen Möglichkei-
rurg offensichtlich früh eingebunden ten noch intensiviert werden konnten .
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