Page 34 - Ärzteblatt Sachsen, Februar 2026
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VERSCHIEDENES



        Zum Gedenken anlässlich der Bombardie -

        rung Dresdens am 13./14. Februar 1945



        Was steckt hinter dem Sinnbild?


        Vor 81 Jahren, in der Nacht vom 13 . /14 .
        Februar 1945, stand ich als sechsjähri-
        ger Junge gemeinsam mit Erwachse-                                   © F . W . Schulze
        nen in der Dunkelheit und doch in einer
        Art Scheinwerferlicht auf der Ruhlan-
        derstraße in Schwarzheide Wan delhof/

        Senftenberg . Wir starrten in einen roten
        Himmel – es war die Glut über Dresden .
        Es blitzten sogenannte „Christbäume“
        im Wolkenbild und darüber flogen un-
        zählige Bombenflieger .


        Die wenigen Menschen auf der leicht
        erleuchteten Straße waren in einer
        Schockstarre . Es war kein Wort zu hö-                                                                  ©  F . W . Schulze
        ren und alle staunten über das Phäno-
        men am Horizont (siehe Sinnbild) . Und
        was für ein Leid verbirgt sich dahinter?
        Im Alter ist die Zeit gegeben zum Nach-  Das Sinnbild von Dr . med . Fritz Werner Schulze zeigt seine Kindheitserinnerungen an die Bombardierung
        denken insbesondere über Leid und   Dresdens am 13 ./14 . Februar 1945 .
        über Recht und Unrecht .
                                            Mutter – ein unvergessliches, furcht- Aber auch dort war keine ruhige Zeit .
        Meine Erinnerungen gehen zurück bis  bares Ereignis .                   Dann kam die Schule, zur Einschulung
        zum 4 . Lebensjahr und damit zu den  Irgendwann kündigte sich das Ende der  gab es eine Zuckertüte aus Zeitungs-
        schrecklichen Kriegs- und Nachkriegs- Sirenen und des Krieges an, die Kapitu- papier geklebt und darin war improvi-
        erlebnissen .                       lation brachte vorerst eine Atempause –  sierte Schokolade, es war Rohrzucker
        Sirenengeheul und Bombenangriffe  so hatten wir gedacht . Nun ging es um  im fettigen Tiegel heiß- und flüssigge-
        häuften sich 1943 . Mein Vater war im  das Überleben . Ich stellte mich in eine  macht und zu einer flachen Platte ge-
        Krieg und meine Mutter suchte für uns  Schlange vor unserer Schule gegenüber  formt .
        Sicherheit . Zum Schutz waren wir bei  unseres Wohnhauses an, um etwas zu  So war meine Kindheit . Vernunft ergibt
        jeder Warnung in den Keller des Hau- essen zu bekommen . Bestimmt waren  sich aus Erfahrungen, dazu braucht es
        ses,  aber  auch  in die  Tagebaustollen  wir an die 50 Leute unterschiedlichen  eine biopsychosoziale Toleranzbreite,
        von Senftenberg geflüchtet . Bei der  Alters in der Reihe und nahmen die Es- um alles zur Erhaltung ewigen Friedens
        Flucht mit dem Fahrrad bin ich meis- sensreste der Russen, welche in der  zu unternehmen . Dies ist mein Appell
        tens am Gepäckträger mitgelaufen und  Schule untergebracht waren, dankend  an die Jugend . Es zeigt sich immer wie-
        alles war im Nebel, da das Synthese- an . Meine Mutter sah das Trauerspiel  der, dass es keinen eigentlichen Gewin-
        werk Schwarzheide vor Zerstörung so- hinter den Fensterscheiben und weinte  ner im Krieg gibt .
        mit geschützt wurde . Auch im neuge- bitterlich .
        bauten Bunker in Wandelhof fanden  Einige Wochen danach verließen wir  Es soll ein Warnzeichen für die nächs-
        wir  Schutz .  Dort  musste  ich  einen  unseren Heimatort und es ging per  ten Generationen sein, um alle Mög-
        Bombenabwurf auf den Bunker voll  Fahrrad auf die Flucht zu Verwandten,  lichkeiten zu suchen eines friedlichen
        miterleben: der Betonklotz schaukelte  früh um 5 Uhr bis abends 22 Uhr unter- Nebeneinanders . ■
        wie in einer Luftschaukel, alle Insassen  wegs, es waren 57 km nach Falkenberg,
        schrien, ich klammerte mich an meine  mein längster Fußmarsch im Leben .       Dr . med . Fritz Werner Schulze, Leipzig


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