Page 4 - Ärzteblatt Sachsen, April 2026
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MEINE MEINUNG




                                                              Gerade deshalb ist es mir wichtig, den Blick einmal auf die
                                                              Arbeit im Palliativ- und Hospizbereich zu richten . Im Frei-
                                                              staat Sachsen gibt es rund 14 stationäre Hospize für Er-
                                                              wachsene sowie ein Kinderhospiz mit insgesamt etwa 167
                                                              Plätzen, in denen schwerstkranke Menschen in ihrer letzten
                                                              Lebensphase palliativmedizinisch, pflegerisch und psycho-
                                                              sozial begleitet werden . Daneben existieren 49 ambulante
                                                              Hospizdienste und 17 spezialisierte ambulante Palliativ-
                                                              teams (SAPV), die vielerorts die palliative Betreuung und Be-
                                                              gleitung in der häuslichen Umgebung ermöglichen, sowie
                                                              zahlreiche Palliativstationen in Krankenhäusern .
                                                          © SLÄK/ FOTOGRAFISCH  Aus persönlicher Betroffenheit kann ich der Arbeit, die hier

                                                              in den schwersten Stunden des Lebens geleistet wird, nur
                                                              den größten Respekt zollen . All diese Einrichtungen im am-


                         Dr . med . Jana Gärtner              bulanten und stationären Bereich verdienen nicht nur Aner-
                                                              kennung, sondern auch mehr öffentliche Aufmerksamkeit .
                                                              Sie leisten eine Arbeit, die unsere Gesellschaft dringend
                                                              braucht – und über die dennoch viel zu selten gesprochen wird .
        Wenn Heilung nicht mehr

        möglich ist                                           Palliativstationen, Hospize, Ehrenamtliche sowie Ärztinnen,
                                                              Ärzte und Pflegekräfte in der ambulanten Betreuung zeigen
        Würde am Lebensende                                   jeden Tag, wie eine Versorgung in der letzten Lebensphase
                                                              aussehen kann . Sie geben Menschen die Möglichkeit, ihre
        Geburt und Tod bilden die zwei wesentlichen Eckpunkte ei- letzten Wochen oder Tage nicht allein, sondern in Würde und
        nes Lebens . Während wir den Beginn eines Lebens mit gro- größtmöglicher Selbstbestimmung – trotz aller krankheits-
        ßer Aufmerksamkeit, Fürsorge und medizinischer Begleitung  bedingten Einschränkungen – zu verbringen . Vor allem dann,
        gestalten, gerät der Blick auf das Lebensende im Alltag oft  wenn Angehörige nicht vorhanden sind oder weit entfernt
        in den Hintergrund . Gesegnet ist, wer gesund altern kann .  leben .
        Doch nicht immer ist genau das den Menschen vergönnt .
        Dank moderner Medizin leben viele Bürgerinnen und Bürger  Die Erfüllung letzter Wünsche, die Schaffung von Bedingun-
        heute über Jahre mit schweren oder chronischen Erkrankun- gen, die selbstbestimmtes Leben überhaupt noch möglich
        gen – Krankheit gehört damit für viele Menschen zum Älter- machen, aber auch die Unterstützung bei einem ehrlichen
        werden dazu .                                         Umgang mit Tod und Sterben, ohne den Patientinnen und
                                                              Patienten jede Hoffnung zu nehmen – all das braucht viel
        Doch es gibt auch Diagnosen, die das Leben und seine Pers- Zuwendung, Idealismus und engagierte Menschen . Die Ar-
        pektive innerhalb kurzer Zeit grundlegend verändern . Be- beit in diesem System lebt deshalb in hohem Maße auch
        sonders infauste Diagnosen stellen Betroffene und ihre An- vom Ehrenamt . Ohne die vielen Helferinnen und Helfer wür-
        gehörigen  vor  enorme  Herausforderungen .  Wenn  sich  ab- de es so nicht funktionieren .
        zeichnet, dass das Leben seinem Ende entgegengeht, wird  Wir dürfen diese Arbeit als Gesellschaft nicht als selbstver-
        eine gute und würdevolle Versorgung besonders wichtig .  ständlich hinnehmen . Denn unsere Verantwortung zeigt sich
        Gerade in dieser Situation stellt sich die Frage, was medizi- auch darin, die Rahmenbedingungen für diese Versorgung zu
        nische Versorgung am Lebensende eigentlich leisten soll .  stärken – durch eine bessere Finanzierung, eine verlässliche
                                                              Unterstützung der Hospizdienste, den weiteren Ausbau der
        In einer Zeit, in der medizinischer Fortschritt immer neue  Palliativversorgung und mehr öffentliche Aufmerksamkeit .
        Möglichkeiten eröffnet, gerät eine einfache Wahrheit leicht
        aus dem Blick: Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch  Wenn Geburt und Tod die Eckpunkte eines Lebens bilden,
        menschlich sinnvoll . Würde am Lebensende bedeutet in  sollte auch das Lebensende mit der gleichen Sorgfalt beglei-
        meinen Augen nicht nur medizinische Versorgung, sondern  tet werden .  ■
        vor allem Begleitung, Zeit, Zuwendung und Schmerzfreiheit .                               Dr . med . Jana Gärtner
        Und das gelingt aus meiner Sicht nur im persönlichen Kontakt .                              Vorstandsmitglied


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