Page 36 - Ärzteblatt Sachsen, Juli 2026
P. 36
PERSONALIA
Nachruf für Prof. Dr. med. habil.
Uwe-Frithjof Haustein
* 20. Februar 1937 † 6. Mai 2026
Wir trauern um Prof. Dr. med. habil. wichtige Würdigung seiner jahrzehnte-
Uwe-Frithjof Haustein, den ehemali - langen Arbeit war für ihn die Verleihung
gen Direktor der Universitäts-Hautkli- des Verdienstordens des Freistaates
nik Leipzig. Mit seinem Tod verlieren wir Sachsen 2014 und des Verdienstordens
einen herausragenden Arzt, Forscher, der Bundesrepublik Deutschland 2020.
Mentor und Freund. Für seine zahlrei- Von 1985 bis 1990 war er Prodekan der
chen Schülerinnen und Schüler, Kolle- Medizinischen Fakultät Leipzig und von
ginnen und Kollegen war er stets Vor- 1984 bis 1990 Präsident der Dermato-
bild – wir werden sein Angedenken in logischen Gesellschaft der DDR und
hohen Ehren halten. langjähriger Prüfungsvorsitzender im
Fach Dermatologie-Venerologie des
Geboren am 20. Februar 1937 in Dresden Freistaates Sachsen.
studierte er Humanmedizin in Leipzig Die Förderung des dermatologischen
und Dresden. 1959 erfolgten Approba- Nachwuchses war ihm stets wichtig.
tion und Promotion. Seine Weiterbil- Aus seiner Schule stammen über 100
dung zum Facharzt für Dermatologie © Marcus Karsten Fachärztinnen und Fachärzte und 18
und Venerologie erhielt er 1962 bis Habi litanden. Der Ausbildung der Medi-
1967 in Dresden. 1967 wurde er Ober - zinstudierenden widmete er sich mit
arzt an der Universitäts-Hautklinik Je- Prof. Dr. med. habil. Uwe-Frithjof Haustein großer Begeisterung und er war ein her-
na und habilitierte sich 1969. vorragender Kliniker, dem das Wohl sei-
1970 wurde er stellvertretender Klinik- med. habil. Konrad Herrmann ein Zen- ner Patienten besonders am Herzen lag.
direktor an der Universitäts-Hautklinik trum für experimentelle Dermatologie, Neben dem herausragenden Arzt und
der Charité. 1975/1976 wurde auf den das wesentliche neue Erkenntnisse zur Wissenschaftler verlieren wir den Men-
Lehrstuhl für Dermatologie und Vene- Fibroblastenfunktion erarbeitete. Auch schen Uwe-Frithjof Haustein. Beein-
rologie der Leipziger Universität beru- die quarzstaubinduzierte Sklerodermie, druckend war seine Fähigkeit, extrem
fen und hatte diese Position bis 2002 von Volker Ziegler durch epidemiologi- effektiv, konzentriert und präzise zu
inne. sche Studien postuliert, stand im Mit- arbeiten. Grenzen wurden nicht akzep-
Sein wissenschaftliches Werk umfasst telpunkt der gemeinsamen Forschung, tiert, sondern es galt, sie zu überschrei-
über 800 Publikationen. Besonders die große internationale Aufmerksam- ten. Ruhe und Entspannung fand er bei
hervorzuheben ist die Erstbeschreibung keit erhielt. Reisen, beim Bergsteigen, Radfahren
des Fibrinbandes an der dermoepider- Seine wissenschaftliche Leistung wur- und bei der geliebten Musik. Viele von
malen Grenze beim Lichen ruber so wie de vielfach ausgezeichnet. Acht inter- uns waren Zeugen seines außergewöhn-
die Einführung der Permethrin-Be- nationale dermatologische Fachgesell- lichen Talentes als Pianist und Organist.
handlung der Skabies und von Metroni- schaften verliehen ihm die Ehrenmit- Ganz persönlich verliere ich mit Uwe-
dazol zur Lokaltherapie der Rosacea. gliedschaft, er war Mitglied der Deut- Frithjof Haustein einen immer sehr in-
Er baute die Leipziger Hautklinik zu ei- schen Nationalakademie „Acatech“. Die teressierten, wohlwollenden, fördern-
nem bedeutenden wissenschaftlichen Sächsische Akademie der Wissen- den Vorgänger und väterlichen Freund.
Standort in Deutschland aus. Zusam- schaften zu Leipzig berief ihn 1988 Nach schwerer Krankheit verstarb
men mit seinen Mitarbeiterinnen und zum ordentlichen Mitglied und 2001 Uwe-Frithjof Haustein am 6. Mai 2026.
Mitarbeitern wurden grundlegende Ar- zum Sekretär der Mathematisch-natur- Seiner Frau, seiner Tochter, seinen En-
beiten zur Immundermatologie, insbe- wissenschaftlichen Klasse. Gekrönt keln und der ganzen Familie gilt unsere
sondere der progressiv-systemischen wurde seine Arbeit in der Akademie aufrichtige Anteilnahme.
Sklerodermie publiziert. In den achtzi - durch die Berufung zu deren Präsiden-
ger Jahren etablierte er mit Prof. Dr. ten 2005 bis 2007. Eine persönlich Prof. Dr. med. Jan-Christoph Simon, Leipzig
36 Ärzteblatt Sachsen 7|2026

