Page 5 - Ärzteblatt Sachsen, Juli 2026
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BERUFSPOLITIK
36. Sächsischer Ärztetag /
75. Kammerversammlung
Festabend
Der Präsident der Sächsischen Landes- © SLÄK
ärztekammer, Erik Bodendieck, eröff-
nete den Festabend am 12. Juni 2026
mit einigen nachdenklichen Worten zu
den aktuellen Herausforderungen in
der Gesundheitsreform und im Gesetz-
gebungsverfahren auf Bundesebene.
Auf diese ging auch Staatssekretärin
Dagmar Neukirch vom Sächsischen
Staatsministerium für Soziales, Ge-
sundheit und Gesellschaftlichen Zu-
sammenhalt in ihrem Grußwort ein und
bestätigte die extrem kurzen Fristen
für Stellungnahmen. Trotz aller berech-
tigter Kritik, so die Staatssekretärin, © SLÄK
solle man das eigene Gesundheitssys-
tem aber auch nicht zu schlechtreden. Erik Bodendieck, Präsident Sächsische Prof. Dr. Martin Hirsch, Institut für Künstliche
Intelligenz in der Medizin an der Philipps-
Landesärztekammer
Deutlich positiver und unterhaltsam Universität Marburg, sprach in seinem Festvortrag
gestaltete sich die Rede von Dr. Michał darüber, wie künstliche Intelligenz das ärztliche
Denken verändert.
Głuszek, Mitglied der Kommission für jemals so etwas Schönes tun?“ ließ er
Internationale Zusammenarbeit der Nie- zwar offen, doch hielt er im Folgenden
derschlesischen Ärztekammer. Er über- anhand der vier Kategorien „Denken“, heitsbild“ zu erkennen, geprägt von ei-
brachte herzliche Grüße des neuen „Ärztlicher Blick“, „Ärztliche Ethik“ und ner Kombination aus explizitem und
Präsidenten Wojciech Florianski. „Menschlichkeit“ ein Plädoyer für die implizitem Wissen. Da das explizite
Die musikalische Rahmung der Veran- Kompetenzen des Arztes, auch und ge- Wissen, also die rationalen Fakten, For-
staltung übernahm in diesem Jahr die rade vor dem Hintergrund der zuneh- schungsergebnisse, Leitfäden und Ge-
„Dresden Bigband“, deren Pianist auch menden Bedeutung von KI-Anwendun- sundheitsdaten, immer mehr zuneh-
die traditionelle Totenehrung der seit gen im ärztlichen Alltag. Denn was das men, sieht Prof. Hirsch hier eine gute
dem letzten Ärztetag verstorbenen Denken der Menschen prägt, sei eine Möglichkeit zur Arbeitsteilung. Soll die
sächsischen Ärztinnen und Ärzte musi- Kombination aus analytischem und KI doch diesen Part der Faktensamm-
kalisch begleitete. konstellativem Denken, in dem die Be- lung und Analyse übernehmen. Das im-
deutung einer einzelnen Sache nicht plizite Wissen, das stabile, innere Wis-
Festvortrag „Wie verändert künstliche starr linear abgeleitet wird, sondern sen, welches oft nicht genau beschrie-
Intelligenz das ärztliche Denken“ sich aus dem Kontext ergibt und rein- ben werden kann und mit dem Begriff
Diesen besonderen Moment griff Prof. terpretiert werden kann. Zentral sei des „Bauchgefühls“ einhergeht, steuert
Dr. Martin Hirsch, Institut für Künstli- dabei der Begriff des Bildes und des die Ärztin und der Arzt weiter bei. Wenn
che Intelligenz in der Medizin an der Blickes. Das besondere Denken des man dann noch die ärztliche Ethik über
Philipps-Universität Marburg, als Ein- Menschen, die Möglichkeit zum Quer- diese Teamarbeit ausbreite, Leitbilder
stieg zu seinem Festvortrag auf. Für denken und zur Sprunginnovation, zei- abgleiche und sicherstelle, dass sich die
ihn zeige eben jene Situation eine ge sich oft im bildlichen Denken, das KI innerhalb der ärztlich-ethischen
grund legende Verschiedenheit zwi- noch vor oder außerhalb des sprachli- Rahmenbedingungen bewegt, kann –
schen Mensch und künstlicher Intelli- chen Denkens liege. Und so sei auch so Prof. Hirschs Vision von KI in der
genz (KI). Seine einleitende Frage „To- der Blick des Arztes, der sich ein „Bild“ Medizin – eine Symbiose entstehen, in
tenehrung mit Klaviermusik – wird KI des Patienten mache, um das „Krank- welcher der technische Teil der Medizin
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