Sächsischer Ärztetag kritisiert verdeckte Rationierung im Gesundheitswesen

Der 15. Sächsische Ärztetag hat in seiner Sitzung die verdeckte Rationierung im Gesundheitswesen heftig kritisiert. Die Gesundheitsreform des letzten Jahres träfe vor allem sozial Schwache. Die Politik verschweige aus wahltaktischen Gründen den Bürgern das Hauptziel der Reform: Kostensenkung durch Leistungskürzung bei gleichzeitiger Anhebung der Versichertenzuzahlungen, so der Sächsische Ärztetag auf seiner heutigen Sitzung in Dresden.

Die Patienten spüren die bisherigen Wirkungen der Gesundheitsreform zuerst: Finanzielle Stärkung der Krankenkassen durch Einsparungen bei Sterbegeld, Haushaltshilfen und Arzneimitteln sowie Einnahmen aus der Praxisgebühr. Die Krankenversicherungsbeiträge fallen dagegen kaum. Im Gegenteil, einige befürchten einen weiteren Anstieg. Ein Hauptziel der Gesundheitsreform ist damit verfehlt.

Weiterhin gab es einen Rückgang an Arztbesuchen wegen der Praxisgebühr und der Zuzahlungen für Medikamente. Vor allem sozial Schwache haben auf einen Arztbesuch verzichtet, weil sie das Geld für andere Dinge benötigen. Arme und Langzeitarbeitslose können in der Folge häufiger krank sein und langfristig eine um bis zu sieben Jahre verkürzte Lebenserwartung haben.

Dr. Stefan Windau, Vizepräsident der Sächsischen Landesärztekammer: "Zieht man ein erstes Resümee aus 1 ½ Jahren Gesundheitsreform, so kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass sich bisher weder die Qualität noch die Effektivität des Gesundheitssystems verbessert haben. Dagegen können Ärzte und die Versicherten eine Rationierung von Gesundheitsleistungen beobachten, welche für die Patienten noch mit höheren Zusatzzahlungen verbunden sind".

Es besteht aktuell und politisch verursacht ein Zielkonflikt zwischen Qualitätsverbesserung und Kostensenkung, der auch mit Wettbewerb nicht gelöst werden kann. "Was wir heute in der Medizin erleben, ist ein Wettbewerb um Preise nicht um Qualität", so Dr. Windau weiter. "Die Politik hat nicht den Mut gegenüber den Wählern zuzugeben, dass sie in Zukunft weitere Leistungseinschränkungen erwartet. Dass Überbringen schlechter Botschaften überlässt man uns Ärzten".

Weitere Informationen unter 0351 / 82 67 350.

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