Qualität der Gesundheitsversorgung in Sachsen und Deutschland - Vergleich von EU-Indikatoren nicht ausreichend

26.10.2007

Dresden: Im Leistungsvergleich der europäischen Gesundheitssysteme liegt Deutschland laut einer aktuellen Studie des Bundesgesundheitsministeriums anhand von 26 Indikatoren meist im Mittelfeld. Hauptziele des Leistungsvergleichs zwischen den EU-Staaten sind der Zugang zur Gesundheitsversorgung, die Verminderung von Gesundheitsungleichheiten sowie die Sicherung der langfristigen Finanzierbarkeit der Gesundheitsversorgung. Der Vergleich der deutschen Bundesländer anhand der EU-Indikatoren zeigt für Sachsen zumeist mittlere Plätze.

 

Platz 1 belegt der Freistaat mit geringster Säuglingssterblichkeit, Platz 3 mit sehr hoher Lebenserwartung. Dass Sachsen im Vergleich der Ärztedichte aller Bundesländer nur Platz 14 erreicht - nur Brandenburg und Nordrhein-Westfalen haben weniger ärztliches Personal - ist dagegen nicht verwunderlich. Auf den drohenden Ärztemangel im Freistaat weist die Sächsische Landesärztekammer bereits seit 10 Jahren hin und steuert aktiv dagegen. So bietet die Kammer unter anderem regelmäßig Informationsveranstaltungen zum Arztberuf für Studierende der Medizin an, gewinnt gemeinsam mit Partnern erfolgreich österreichische Ärzte für Sachsen oder setzt sich für finanzielle Förderung für Ärzte ein, die eine Praxis in ländlichen Gegenden übernehmen.

 

"Als ein großes Defizit der Studie, die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellt wurde, muss die fehlende Bewertung der Qualität der medizinischen Versorgung angesehen werden. Denn die Qualität der Versorgung ist letztlich zentral für die Beurteilung von Gesundheitssystemen. Dazu gehören die Effektivität und Sicherheit der Versorgung, Patientenrechte, Zulassungs- und Zertifizierungsverfahren sowie Innovationen", so der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze, in einer ersten Bewertung. Zudem müsse deshalb die Entwicklung von vergleichbaren Qualitätsindikatoren Vorrang haben. Ohne diese Indikatoren sei eine Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität europaweit nicht zu vergleichen. Und Berücksichtigung finden müssten im Vergleich auch Wartezeiten für Operationen oder Termine bei Fachärzten, denn hier ist Deutschland mit Sicherheit auf den vorderen Plätzen zu finden.

 

Dass Deutschland bei den Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben gemessen am europäischen Kaufkraftstandard im Jahr 2004 mit 2.608 Euro auf Platz vier nach Luxemburg, Österreich und Frankreich liegt, ließe sich nur über den Vergleich der Qualität positiv untermauern. Und die Aussage, dass der Wert für die zehn neuen Mitgliedsländer mit 851 Euro nur etwa ein Drittel des deutschen Wertes erreicht, führt zu der Frage: Wollen wir ähnliche Verhältnisse im medizinischen Betreuungssystem, wo man nur mit Bargeld schnell zu einer Behandlung kommt?

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