Gesundheitsfonds muss auf den Prüfstand

07.10.2009

Dresden: Seit dem Start des Gesundheitsfonds im Januar 2009 gab es immer wieder Kritik. Für die meisten Versicherten war seine Einführung mit einer Beitragserhöhung verbunden. Einem Großteil der gesetzlich Krankenversicherten drohen im kommenden Jahr nun zusätzliche Kosten. "Der Gesundheitsfonds ist genau betrachtet ein nicht tragfähiger Kompromiss der ehemaligen großen Koalition zwischen Bürgerversicherung und Gesundheitsprämie. Eine Verbesserung der medizinischen Versorgung oder eine Senkung der Krankenkassenbeiträge war durch dieses gesundheitspolitische Experiment nicht zu erwarten", so Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer.

 

Mit Blick auf die Finanz- und Wirtschaftskrise fehlen nach aktuellen Schätzungen von Krankenkassen und Gesundheitsexperten dem Gesundheitsfonds 2010 mindestens neun Milliarden Euro. Und wahrscheinlich werden sich zahlreiche Kassen dieses Geld von den Versicherten über Zusatzbeiträge holen. Bereits der 112. Deutsche Ärztetag in Mainz forderte im Mai, dass die Krankenkassen bis auf weiteres ihre Beitragssätze wieder selbst festlegen können sollten, um auf die Wirtschaftskrise flexibel und effizient reagieren zu können.

 

Problem Morbi-RSA
Einen gravierenden Fehlanreiz bietet zudem der sogenannte morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA). Er ist ein finanzieller Ausgleichsmechanismus zwischen den Krankenkassen. Der Fehlanreiz durch den Morbi-RSA besteht insbesondere darin, dass nur die Krankenkasse hohe Zahlungen aus dem RSA erhält, die viele chronisch Kranke hat. Hinzu kommt, dass für die Auswertung der Kriterien für jeden einzelnen Patienten ein sehr hoher technischer und personeller Aufwand betrieben werden muss, der von Experten auf bis zu 1,5 Mrd. Euro geschätzt wird, und somit zu einer deutlichen Steigerung der Verwaltungskosten führt.

 

Kritiker dieses Risikostrukturausgleichs befürchten zu Recht, dass dieses Modell zu zahlreichen Manipulationen führen kann. So haben einige Krankenkassen Softwaremodule für Praxen-Softwaresysteme entwickelt, welche ein sogenannten "rightcoding" oder "upcoding" fördern sollen. So können einfache Diagnosen durch schwerere Diagnosen ersetzt werden. In gleicher Weise könnte die Verschreibung von Morbi-RSA wirksamen Medikamenten gefördert werden, die in der Regel zu den sehr wirkungsvollen und starken Medikamenten zählen. Einige Krankenkassen haben zusätzlich ihre Außendienstmitarbeiter in Praxen geschickt, um Ärzte direkt zu einem "korrekten" Codieren von Diagnosen aufzufordern und Prämienzahlungen in Aussicht gestellt. Prof. Schulze: "Dies hat das Bundesversicherungsaufsichtsamt und die Landesärztekammern auf den Plan gerufen, weil Ärzte gegen geltendes Recht verstoßen würden, wenn sie dem folgen würden. Ärzte sollen ausschließlich Diagnosen stellen, die fachlich begründet sind".

 

Der Gesundheitsfonds ist ein System zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland, das zum 1.1.2009 umgesetzt wurde. Nach diesem System werden Beitrags- und Steuer-gelder zentral eingenommen und an die Krankenkassen weitergeleitet. Ein Wettbewerb zwischen den Krankenkassen erfolgt nicht über Leistung sondern über Preise.

 

Weitere Informationen unter 0351 8267160.

Seitenfunktionen

Partner

Mein Konto

Schnelleinstieg

Fort- und Weiterbildungskurse für Ärzte