Page 25 - Ärzteblatt Sachsen, Juli 2026
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ORIGINALIE



        Personalisierte Onkologie im Fokus


        Geschlechterspezifische Unterschiede bei Immun- und Zelltherapien in der Onkologie*


        P. Warncke  1, 2, 3 , S. Fricke  1, 2, 3, 4 , U. Seeland  ,   se, bestehende Herausforderungen so- durch Analysen auf Zell- und Gewebs-
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        U. Köhl  , A. Morgner  , M. v. Bonin  , V. Vučinić  ,   wie regulatorische Implikationen.  ebene detailliert ergänzt werden [7].
             3
                                       3, 7
                      1, 2
        K. Jöhrens  , M. Bornhäuser  , K. Metzeler  ,                           Bekannt ist, dass Frauen im Vergleich
               2, 8
                           6
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        M. Hänel  1, 2                      Einflussfaktor Geschlecht          zu Männern konsistent stärkere, ange-
                                            Im Rahmen der personalisierten Onko- borene und adaptive Immunantworten
        Einführung                          logie  gewinnt  das  biologische  Ge- zeigen  [8].  Diese  Unterschiede  sind
        Die  personalisierte  Onkologie  erkennt  schlecht zunehmend an Bedeutung als   hormonell,  genetisch  (zum  Beispiel
        zunehmend,  dass  neben  interindividu- differenzierende  Variable,  wenngleich   immunrelevante Gene auf dem X-Chro-
        ellen auch geschlechterspezifische Un- geschlechterspezifische  Unterschiede  mosom)  und  immunologisch  bedingt
        terschiede  in  Tumorbiologie,  Pharma- bereits seit Jahrzehnten bekannt sind  und spiegeln sich unter anderem in ei-
        kokinetik  und  Immunantwort  einen  [1].  Dabei  sind  zahlreiche  potenzielle  ner höheren Inzidenz autoimmuner Er-
        wesentlichen  Effekt  auf  Therapiean- Einflussfaktoren  relevant  –  sowohl  in  krankungen  bei  Frauen  wider  [8–10].
        sprechen  und  Verträglichkeit  haben.  Bezug auf Inzidenz, Tumoraggressivität  Auch prädiktive Biomarker, wie Tumor-
        Während  im  Kontext  konventioneller  und  Prognose  als  auch  hinsichtlich  mutationslast,  zytolytische  Aktivität
        Immun-/Chemotherapien  dies  bereits  Therapieansprechen, Verträglichkeit und  oder Checkpoint-Expression, können je
        teilweise berücksichtigt wird, rückt die  Nebenwirkungsprofil [2–4].    nach Geschlecht variieren [11]. Darüber
        Bedeutung solcher Unterschiede auch                                     hinaus findet man schon im Kindesal-
        bei modernen Immun- und Zelltherapi- Unterschiede  in  der  Pharmakokinetik  ter, in dem das Immunsystem die größ-
        en  immer  stärker  in  den  Fokus.  Der  und Toxizität onkologischer Systemthe- ten  Veränderungen  durchläuft,  Unter-
        vorliegende Beitrag beleuchtet den Ein- rapien  sind  gut  belegt,  insbesondere  schiede  zwischen  den  Geschlechtern,
        fluss des biologischen Geschlechts auf  bei klassischen Zytostatika und mono- zum  Beispiel  in  einer  durchgehend
        Immun- und Zelltherapien und erörtert  klonalen Antikörpern. So zeigen Frauen –  niedrigeren Anzahl myeloider Dendriti-
        aktuelle wissenschaftliche Erkenntnis- bedingt durch eine veränderte Metabo- scher  Zellen  bei  Mädchen  gegenüber
                                            lisierung – häufig höhere systemische  Jungen  [12].  Die  Komplexität  der  Im-
                                            Arzneistoffkonzentrationen  und  stär- munzellregulation  ist  unter  anderem
        1   Klinikum Chemnitz gGmbH,        kere  Nebenwirkungen,  während  Män- durch  die  unterschiedliche  Rezeptor-
          Klinik für Innere Medizin III, Chemnitz  ner bei fast allen soliden Tumoren das  verteilung der Estradiol-, Progesteron-
        2   Medizincampus Chemnitz an der   höhere  Risiko  einer  schlechteren  Pro- und  Testosteronrezeptoren  auf  den
          Technischen Universität Dresden,   gnose  aufweisen  im  natürlichen  Ver- Immunzellen  gegeben.  Faktoren,  wel-
          Chemnitz                          lauf, so auch bei dem kolorektalen Kar- che  einen  geschlechterspezifischen
        3   Fraunhofer Institut für Zelltherapie und   zinom [2, 3]. Dennoch wird das biologi- Einfluss  haben,  sind  in  der  Abbildung
          Immunologie, Leipzig              sche  Geschlecht  bei  der  Berechnung  schematisch dargestellt.
        4   Universitätsklinikum Magdeburg,   von  Zytostatikadosierungen  über  die
          Institut für klinische Immunologie und   Körper oberfläche  nicht  berücksichtigt,  *  Diese Veröffentlichung entstand im
          Zelltherapeutika, Magdeburg       obwohl  die  Evidenz  pharmakokineti-  Rahmen des durch das Bundesministe-
        5   Universitätsklinikum Magdeburg,   scher  Unterschiede  für  viele  Arznei-  rium für Forschung, Technologie und
          Sektion für Geschlechtersensible   stoffe vorliegt [5].                Raumfahrt (BMFTR) geförderten
          Medizin und Prävention, Magdeburg  Darüber  hinaus  existieren  für  klassi-  Zukunftscluster „SaxoCell®“ (03ZU2111BF,
        6   Universitätsklinikum Carl Gustav Carus,   sche Chemotherapien nur wenige pros-  03ZU2111BD) und beruht auf einer
          Medizinische Klinik I, Dresden    pektive Studien zu geschlechterspezifi-  Ringvorlesung für Geschlechtersensible
        7   Universitätsklinikum Leipzig, Klinik und   schen  Einflüssen,  wie  beispielsweise   Medizin, die 2024 im Rahmen des
          Poliklinik für Hämatologie, Zelltherapie,   die SEXIE-R-CHOP-14-Studie [6].   Modellstudiengangs MEDiC entwickelt
          Hämostaseologie und Infektiologie,   Der  Einfluss  des  biologischen  Ge-  wurde. Die Ringvorlesung will für das
          Leipzig                           schlechts auf die Funktion von Immun-  Thema sensibilisieren und Anregungen
        8   Klinikum Chemnitz gGmbH,        zellen und die Pathogenese von Immun-  geben, über die Relevanz von Geschlech-
          Institut für Pathologie, Chemnitz  erkrankungen  ist  komplex  und  muss   terforschung in der Medizin zu diskutieren.



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