Page 24 - Ärzteblatt Sachsen, April 2026
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beeinflussen . Zu den relevanten Risiko- Wie im oberen Fall beschrieben, persis-
faktoren zählen das Alter mit einem tieren diese Schmerzen im Rahmen ei-
deutlichen Anstieg der Fallzahlen ab ner PZN meist auch drei Monate nach
dem 50 . Lebensjahr, das weibliche Ge- Abheilen der Hauteffloreszenzen .
schlecht sowie ein kranialer und sakra- Es handelt sich hierbei häufig um
ler Befall beziehungsweise die Anzahl Schmerzen mit brennend oder auch
und Ausbreitung der Läsionen [5] . Auch unwillkürlich elektrifizierend einschie-
bei der in dieser Fallbeschreibung vor- ßendem Schmerzcharakter . Typischer-
gestellten Patientin trafen mit dem weise kommt es zusätzlich zu Schmerz-
Alter von 71 Jahren, dem weiblichen Ge- exazerbationen im Rahmen taktiler
schlecht und der Ausbreitung der Haut- Reize, der sogenannten mechanischen
effloreszenzen über mehrere Dermato- Allodynie sowie zu einer thermischen
me einige dieser Risikofaktoren zu . Hyperalgesie [7] .
Pathophysiologisch löst die Reaktivie- Oft kommt es für Betroffene hierunter
rung der latenten Varizellen-Infektion zu einer deutlichen Einschränkung der © UKL
eine Entzündungsreaktion aus, welche Lebensqualität . Schlaflosigkeit, chroni- Abb . 2: Hautbefund des akuten Herpes Zoster
Axon, Nervenwurzel und Ganglion des sche Fatigue sowie Gewichtsabnahme
betroffenen Nervs schädigt . Im Rah- bis hin zur Anorexie werden berichtet .
men dieser Schädigung kommt es unter Häufig sind die Aktivitäten des alltägli-
anderem auf Grund einer vermehrten chen Lebens sowie die soziale Teilhabe
Bildung spannungsabhängiger Natri- von deutlichen Einschränkungen be-
umkanäle sowie des Transient Recep- troffen . Auf Dauer besteht zusätzlich
tor Potential Vanilloid 1 (TRPV1) zu ei- das Risiko, eine Depression zu entwi-
ner Sensibilisierung dieser primär affe- ckeln [3] .
renten Neurone mit einerseits ektopi- Entsprechend groß ist die Notwendig-
scher Reizbildung sowie einer im Ver- keit einer adäquaten Schmerztherapie
gleich niedrigeren Reizschwelle für ther- für die betroffenen Patientinnen und © UKL
mische und mechanische Reize . Patienten .
Dabei sollte zunächst durch eine ge- Abb . 3: Hautbefund vor der ersten Behandlung mit
einem Capsaicin-Patch
Neben dieser peripheren kommt es zu naue Anamnese-Erhebung die Unter-
einer zentralen Sensibilisierung . Als scheidung in verschiedene Schmerzar-
Folge der oben erwähnten, gesteiger- ten erfolgen . Beim akuten Herpes Zos-
ten Aktivität von peripher afferenten ter liegen häufig sowohl akute nozizep-
Fasern kommt es im Hinterhorn des tive Schmerzen oder Wundschmerzen
Rückenmarks zu einem Anstieg der Er- an den betroffenen Hautläsionen als
regbarkeit dortig gelegener, nozizepti- auch neuropathische Schmerzen der
ver Neurone . Auch gibt es Hinweise auf akuten Herpes Zoster-Neuralgie vor .
eine Beeinträchtigung absteigender, Auch eine Erfassung der Schmerzinten-
inhibitorischer Bahnen sowie einem sität mittels Nummerischer Rating
Verlust inhibitorischer Interneurone . Skala (NRS) oder Visueller Analogskala
(NRS) sollte erhoben werden . Je höher
Als Ergebnis dieser peripheren Sensibi- die Schmerzintensität, desto größer
lisierung und zentralen Reorganisati- das Risiko für die Entwicklung einer
onsprozesse kommt es anhaltend zu PZN [8, 9] .
typisch neuropathischen Schmerzen .
Auch werden harmlose taktile Stimula- Die medikamentöse Schmerztherapie
tionen des betroffenen Hautareals als im Rahmen eines akuten Herpes Zoster © UKL
schmerzhaft wahrgenommen (mecha- mit nozizeptivem Wundschmerz orien- Abb . 4: Hautbefund direkt nach der Behandlung
nische Allodynie) [6] . tiert sich dabei am WHO-Stufensche- mit dem Capsaicin-Patch
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