Page 26 - Ärzteblatt Sachsen, April 2026
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ORIGINALIE
Die Anwendung erfolgt auf intakter
Haut und ist insbesondere für lokal be- KOSTENEFFEKTIVITÄT DER TOPISCHEN
grenzte neuropathische Schmerzen in- BEHANDLUNG NEUROPATHISCHER SCHMERZEN
diziert . MIT EINEM CAPSAICIN-SCHMERZPFLASTER (8 %)
Mehrere randomisierte, kontrollierte
Studien konnten die Wirksamkeit von • Bezüglich der Kosteneffektivität der topischen Behandlung mit
Capsaicin bei der Behandlung der PZN hochdosiertem Capsaicin im Rahmen der Post-Zoster-Neuralgie
nachweisen . Das hochdosierte 8%-Pflas- konnte in einer 2011 erschienenen Studie sowohl die Wirksamkeit
ter zeigte in klinischen Studien eine als auch die Kosteneffektivität der Behandlung im Vergleich zur
sig nifikante Reduktion der Schmerz- Standardtherapie mit wahlweise Pregabalin, Gabapentin bzw .
intensität über mehrere Wochen bis trizyklischen Antidepressiva oder Duloxetin belegt werden [19] .
Monate . Im Rahmen von Metaanalysen
und Cochrane-Reviews zeigte sich eine • Eine 2019 erschienene Studie zur Behandlung von peripheren,
moderate bis gute Wirksamkeit und neuropathischen Schmerzen bei Polyneuropathie kam ebenfalls
Verträglichkeit [17] . zu dem Ergebnis, dass die Behandlung mit topischem Capsaicin
kosteneffektiv ist . Zurückzuführen sei dies laut den Autoren auf
Die S2k-Leitlinie „Diagnose und nicht geringere Kosten bezüglich der begleitenden, pharmakologischen
interventionelle Therapie neuropathi- Therapie und deren Nebenwirkungen, eine geringere Notwendigkeit
scher Schmerzen“ empfiehlt die topi- zur Verordnung weiterer, begleitender Therapiemaßnahmen und
sche Anwendung von Capsaicin als verringerter indirekter Kosten auf Grund fehlender Produktivität bei
Therapieoption bei lokal begrenzten schlechteingestellten peripher neuropathischen Schmerzen [20] .
neuropathischen Schmerzen, wenn
Erstlinientherapien wie Antikonvulsiva • Diese recht wenigen Daten berücksichtigen das deutsche Gesund-
oder trizyklische Antidepressiva nicht heitssystem nicht und sollten somit mit Vorsicht betrachtet werden .
ausreichend wirken oder nicht vertra- Es sind weitere Studien notwendig, um die Kosteneffektivität auch
gen werden [2] . für das deutsche Gesundheitssystem zu belegen [21] .
Auch die im Mai 2025 veröffentlichte
S3-Leitlinie „Schmerzmanagement bei
geriatrischen Patient:innen in allen Ver-
sorgungssettings (GeriPAIN)“ themati- Fallbericht Ergebnis NRS 5/10 (initial 8/10) gefallen. Auch
siert die PZN und empfiehlt die einma- Im Rahmen der ersten Behandlung zeig- die schmerzbedingten Beeinträchtigun-
lige Anwendung eines hochdosierten te sich eine deutliche Rötung im Bereich gen waren rückläufig. Die Patientin be-
Capsaicin-Pflasters (8%) . Sollte sich der Auflagefläche des Capsaicin-Pat- richtet über eine deutliche Verbesserung
hiernach eine relevante Schmerzlinde- ches (Abb. 4). Auch berichtete die Pati- in der Alltagsbewältigung, so sei das
rung zeigen, kann die Anwendung nach entin zunächst über eine deutliche Ankleiden beziehungsweise Tragen von
zwölf Wochen wiederholt werden [18] . Schmerzverstärkung, welche im Verlauf Kleidung auf den betroffenen Hautarea-
Die häufigsten Nebenwirkungen der to- des Tages abnahm. len mittlerweile kein Problem mehr.
pischen Capsaicin-Therapie sind lokale Im Anschluss berichtete die Patientin
Reaktionen wie Brennen, Erythem und über eine deutliche Schmerzreduktion Fazit
Juckreiz, die meist innerhalb weniger beziehungsweise in den ersten Tagen Die Post-Zoster-Neuralgie geht, wie in
Tage abklingen . Systemische Nebenwir- der Behandlung über Schmerzfreiheit. dem hier vorgestellten Fallbericht mit
kungen sind selten, da die systemische Nach zwei Wochen seien die Schmerzen starken, in der Regel neuropathischen
Resorption minimal ist . Kontraindika- wieder aufgetreten, woraufhin die Be- Schmerzen einher . Die betroffenen Pa-
tionen bestehen bei offenen Hautläsi- handlung noch zweimal im Abstand von tientinnen und Patienten berichten
onen, Allergie gegen Capsaicin oder jeweils zwölf Wochen wiederholt wurde. häufig über deutliche Alltagseinschrän-
schweren kardiovaskulären Erkrankun- Eine dauerhafte Schmerzfreiheit konnte kungen beispielsweise im Rahmen ei-
gen . Sicherheit und Verträglichkeit wer- nicht erzielt werden. Allerdings berichte- ner ausgeprägten mechanischen Allo-
den durch die kurzfristige, fachärztlich te die Patientin insgesamt über eine dynie . Die systemische, medikamentö-
überwachte Anwendung des 8 %-Pflas- deutliche Besserung ihrer Situation. Die se Schmerztherapie kann mit schwer-
ters weiter erhöht [17] . durchschnittliche Schmerzstärke sei auf wiegenden Nebenwirkungen vergesell-
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