Strukturierte Notfallkarten für Praxis und Bereitschaftsdienst

Notfallsituationen in der Arztpraxis oder im ärztlichen Bereitschaftsdienst treten glücklicherweise selten auf. Wenn jedoch plötzlich eine Patientin oder ein Patient in Lebensgefahr gerät, müssen Ärztinnen und Ärzte sowie das Praxisteam rasch und strukturiert handeln. Gerade weil solche Notfälle außerhalb der Klinik nicht zum Alltagsgeschehen gehören, stellen sie eine besondere Herausforderung dar.

Häufige Notfallbilder im Praxisalltag

Der Ausschuss für Notfall- und Katastrophenmedizin der Sächsischen Landesärztekammer hat im Rahmen eines Projekts die häufigsten akuten Notfallbilder in Praxen und im Bereitschaftsdienst identifiziert. Die Palette reicht von Anaphylaxie über das akute Koronarsyndrom, die Synkope und der Schlaganfall bis zu akuter Atemnot. Auch eine schwere Hypoglykämie oder ein generalisierter Krampfanfall – bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand – können im Praxisalltag wie auch im Bereitschaftsdienst auftreten und müssen beherrscht werden. Diese Notfälle erfordern ein rasches, leitliniengerechtes Vorgehen.

Gedächtnisstütze im Ernstfall

Um die Handlungssicherheit in solchen akut lebensbedrohlichen Situationen zu erhöhen, hat der Ausschuss strukturierte Notfallkarten entwickelt. Dabei handelt es sich um kompakte Karten, auf denen die wichtigsten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen für die jeweiligen Notfallszenarien übersichtlich dargestellt sind. Die Karten orientieren sich an gängigen Leitlinien und etablierten Algorithmen. Sie dienen als standardisierte Gedächtnisstützen, die im Ernstfall eine schnelle Orientierung bieten – beispielsweise zur Priorisierung der Maßnahmen bei Anaphylaxie, zur korrekten Dosierung wichtiger Notfallmedikamente oder zum Vorgehen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand gemäß aktuellen Leitlinien.

Wichtig ist: Die Notfallkarten ersetzen nicht die notwendige praktische Schulung und Übung im Notfallmanagement, die im Rahmen des Qualitätsmanagements ohnehin vorgeschrieben sind. Regelmäßige Notfalltrainings des gesamten Teams bleiben unerlässlich, um im Ernstfall routiniert zu handeln. Die Karten verstehen sich als praktische Ergänzung – sie helfen in der akuten Stresssituation, keinen wichtigen Schritt zu vergessen, und geben gerade weniger routinierten Kolleginnen und Kollegen eine wertvolle Hilfestellung.

Mehr Patientensicherheit durch Standardisierung

Durch die Anwendung dieser Standardschemata soll die Patientensicherheit in Notfallsituationen außerhalb der Klinik verbessert werden. Ein klar strukturierter Ablauf trägt dazu bei, dass auch unter Stress alle wichtigen Maßnahmen in sinnvoller Reihenfolge durchgeführt werden. Die Übersichtlichkeit der Karten ermöglicht es dem Team, Aufgaben rasch zu verteilen (zum Beispiel wer den Notruf absetzt, wer mit Reanimation beginnt, wer Medikamente vorbereitet) und sich an bewährten Algorithmen zu orientieren. Solche standardisierten Merkblätter können dazu beitragen, die Hemmschwelle vor Notfalleinsätzen zu senken und die Versorgungsqualität im Notfall zu steigern.

Interessierte Ärztinnen und Ärzte können die insgesamt elf Notfallkarten herunterladen. Die Karten eignen sich zum Beispiel zum Aufbewahren im Notfallkoffer der Praxis oder am Arbeitsplatz im Bereitschaftsdienst, sodass sie im entscheidenden Moment griffbereit sind.

Dr. med. Marcus Meixner
Ausschuss Notfall- und Katastrophenmedizin