Sexualisierte Übergriffe auf dem Deutschen Ärztetag

Sächsische Landesärztekammer verurteilt Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung

  • Präsident Erik Bodendieck: „Ich verurteile jegliche Belästigung, Übergriffigkeit, Missachtung und Verächtlichmachung in unserer Gesellschaft“.
  • Das Ausspielen vermeintlicher Machtgefälle ist abzulehnen.
  • Für eine adäquate Aufklärung braucht es einen offenen und sachlichen Diskurs.

Der letzte Sitzungstag des 130. Deutschen Ärztetags in Hannover behandelte unter anderem das Thema Machtmissbrauch im Gesundheitswesen. Dabei wurde die berufspolitische Auseinandersetzung überschattet von Berichten einer Delegation von Medizinstudentinnen zu herabwürdigenden Äußerungen und sexualisierten Belästigungen im Rahmen dieses Ärztetages. Darunter waren Kommentare über ihr Äußeres, ihre Ausschnitte, Hände auf Gesäß und Rücken, über Einladungen auf Hotelzimmer sowie sexistische Gesprächssituationen.

Die Sächsische Landesärztekammer hat sofort eine transparente Aufklärung und Konsequenzen eingefordert. Präsident Bodendieck: „Die geschilderten Vorfälle müssen mit allen rechtsstaatlichen Mitteln geprüft und aufgeklärt werden sowie Konsequenzen haben. Es ist vollkommen inakzeptabel, wenn Menschen derart in ihrer Würde verletzt werden. Solch ein Verhalten ist mit dem ärztlichen Berufsethos nicht vereinbar“.

Die Sächsische Landesärztekammer hat seit vielen Jahren eine Ombudsstelle eingerichtet. Über die E-Mail-Adresse ombudsstelle(at)slaek.de können sich Betroffene vertrauensvoll an die Sächsische Landesärztekammer wenden.

Bereits im Vorfeld des Deutschen Ärztetags hatte eine Umfrage des Marburger Bunds das Ausmaß von Machtmissbrauch, Demütigung und sexueller Belästigung gegenüber Ärztinnen und Ärzten im Arbeitsumfeld offenbart. So berichtete fast die Hälfte der Befragten, Machtmissbrauch insbesondere durch Vorgesetzte selbst erfahren zu haben. Jede zehnte beziehungsweise jeder zehnte Befragte berichtete von sexueller Belästigung in den vergangenen zwölf Monaten. Die Täter sowohl in den Fällen von Machtmissbrauch als auch von sexueller Belästigung waren mit deutlicher Mehrheit Männer. Die Opfer haben die Vorfälle in den meisten Fällen nicht gemeldet. Als Gründe gaben sie einerseits Angst vor persönlichen Nachteilen und andererseits mangelndes Vertrauen in eine konsequente Nachverfolgung der Taten an.

Zum eigentlichen Tagesordnungspunkt „Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung im Gesundheitswesen“ wurden Beschlüsse unter anderem zum Schutz vor sexualisierter Belästigung und Diskriminierung, zur Aufnahme der Themen Machtmissbrauch und Diskriminierung entsprechend des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes in die ärztliche Fortbildung gefasst. Beschlossen wurde auch mehr Schutz von Patientinnen und Patienten vor sexuellen Übergriffen durch Ärztinnen und Ärzten sowie eine Befassung mit Machtmissbrauch, sexualisierter Gewalt und Diskriminierung als Kernthema des 131. Deutschen Ärztetags 2027.