Täterschaft und Schuldentlastung - Ärztebiografien im Nationalsozialismus

15.12.2008

Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2009 wird in der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein im Rahmen einer Veranstaltung an die während der NS-"Euthanasie" ermordeten Menschen erinnert.

 

Herr Dr. Clemens Vollnhals - stellvertretender Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung an der TU Dresden - wird eine Einführung in das Thema Entnazifizierung in Nachkriegsdeutschland mit dem besonderen Schwerpunkt der Sowjetischen Besatzungszone geben. Anschließend wird Frau Dr. Marina Lienert vom Institut für Geschichte der Medizin der TU Dresden zu Ärztebiografien im Nationalsozialismus, insbesondere über den Psychiater Prof. Johannes Suckow, sprechen. Danach widmet sich Dr. Boris Böhm - Leiter der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein - einem wichtigen Teilaspekt des Dresdner "Euthanasie"-Prozesses: der Zeugenschaft von Angehörigen der Opfer. Damit werden auch die Bemühungen von Hinterbliebenen nach Aufklärung der NS-Verbrechen gewürdigt. Im zweiten Teil des musikalisch umrahmten Abends besteht die Möglichkeit einer ausführlichen Diskussion, die von Herrn Dr. Vollnhals moderiert wird.

 

Ausgangspunkt der Veranstaltung sind zwei Publikationen: Es handelt sich einerseits um die bereits im Leipziger Universitätsverlag erschienene Publikation "Täterschaft-Strafverfolgung-Schuldentlastung. Ärztebiografien zwischen nationalsozialistischer Gewaltherrschaft und deutscher Nachkriegsgeschichte". In diesem Tagungsband werden anhand von ausgewählten Ärztebiografien Aspekte von Täterschaft im Rahmen der NS-Gesundheitspolitik und von Strafverfolgung nach 1945 in beiden deutschen Staaten und Österreich untersucht. Insbesondere anhand der Nachkriegsschicksale werden Mechanismen der individuellen Schuldentlastung und kollektiven Verdrängung dokumentiert, die eine intensive Auseinandersetzung innerhalb der Ärzteschaft und der Öffentlichkeit verhinderten. So konnten viele der Ärzte nach 1945 ihre Karriere bruchlos fortsetzen, angestrengte Strafverfahren wurden nicht selten eingestellt. Neben diese deutschen bzw. österreichischen Entwicklungen gehen die Autoren dieses Buches aber auch auf die Ahndung von NS-Medizinverbrechen durch die sowjetische Besatzungsmacht anhand biografischer Beispiele ein.

 

Eine andere Publikation trägt den Titel "Fundamentale Gebote der Sittlichkeit - Der 'Euthanasie'-Prozess vor dem Landgericht Dresden 1947". Dieser Sammelband beleuchtet das als Dresdner "Euthanasie"-Prozess bezeichnende bedeutendste Strafverfahren seiner Art in Ostdeutschland. Es fand im Juni/Juli 1947 im Landgerichtsgebäude am Münchner Platz in Dresden gegen 15 Beteiligte der Krankenmorde in Sachsen statt. Der Sammelband behandelt den Prozess aus unterschiedlichen Perspektiven. Er untersucht die Bemühungen des Dresdner Landgerichts, dass tausendfache Morden unter Anwendung rechtsstaatlicher Mittel zu sühnen. Auch wird dieser Prozess in den Kontext der allgemeinen politischen Entwicklung sowie der Aufarbeitung von NS-Verbrechen durch die Alliierten und durch die Justiz in Ost- und Westdeutschland gestellt.

 

Das Plakat zur Veranstaltung finden Sie hier:

 

Veranstalter sind die Stiftung Sächsische Gedenkstätten, die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung sowie die Sächsische Landesärztekammer.

 

Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein
Schlosspark 11
01796 Pirna
Telefon 03501/ 710960
Telefax 03501/ 710969
Internet:

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