Viele Deutsche beklagen Verschlechterung der Gesundheitsversorgung

06.03.2009

Im Lauf der vergangenen Jahre ist die Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland aus Sicht vieler Deutscher schlechter geworden. Insgesamt überwiegt allerdings nach wie vor die Zufriedenheit mit der Arbeit der Ärzte, wobei Privatpatienten sich deutlich besser betreut fühlen als Kassenpatienten. Das sind Ergebnisse des "Gesundheitsbarometer 2009" von Ernst & Young. Basis der Studie ist eine repräsentative Umfrage unter 2.000 Verbrauchern in Deutschland.

 

Die große Mehrheit der Deutschen ist mit der Gesundheitsversorgung grundsätzlich zufrieden: 85 Prozent der Bundesbürger bewerten die Gesundheitsversorgung in ihrer Region positiv - jeder vierte ist sogar sehr zufrieden. Im Westen und Norden Deutschlands, vor allem in Hamburg und Bremen, ist die Zufriedenheit am höchsten.

 

Die besten Noten bekommen die Praktischen Ärzte: Insgesamt 90 Prozent der Befragten bezeichnen die medizinische Versorgung bei praktischen Ärzten als gut oder eher gut. Nur geringfügig schlechter schneiden Fachärzte mit 88 Prozent positiven Bewertungen ab. Krankenhäuser erhalten von 84 Prozent der Deutschen gute oder eher gute Noten.

 

In den vergangenen Jahren ist die Gesundheitsversorgung in Deutschland nach Ansicht der Befragten allerdings tendenziell schlechter geworden: 41 Prozent beklagen eine sinkende Qualität, während nur 14 Prozent eine Qualitätssteigerung sehen; der Rest sieht keine Veränderung. Und das, obwohl der medizinische Fortschritt objektiv eine Verbesserung der medizinischen Qualität in der Gesundheitsversorgung gebracht hat. Das subjektive Empfinden der Menschen ist allerdings ein anderes: Sie sehen, dass im Zuge der Sparmaßnahmen immer weniger Zeit für eine individuelle Betreuung und Pflege bleibt. Der Kostendruck erzwinge gerade in den Krankenhäusern eine Rationalisierung der Abläufe. Da sei die Entwicklung eines persönlichen Arzt-Patienten-Verhältnisses kaum noch möglich.

 

Bestnoten für den Hausarzt

 

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass aber gerade eine individuelle Betreuung von den Patienten sehr geschätzt wird: Der Hausarzt, dessen Berufsbild noch am ehesten dem traditionellen Bild des Arztes als sich um den Patienten sorgender "Kümmerer" entspricht, erhält die mit Abstand besten Noten. Er erzielt in fast allen abgefragten Bereichen die höchsten Zustimmungsraten - bei Behandlungserfolg, Diagnostik, Beratung und Wartezeit. Nur bei der technischen Ausstattung schneiden Krankenhäuser und Fachärzte besser ab - allerdings nur geringfügig.

 

Die Studie zeigt weiter, dass 93 Prozent in Gesundheitsfragen dem Praktischen Arzt vertrauen, 89 Prozent dem Facharzt, aber nur 78 bzw. 70 Prozent dem Arzt am Allgemeinkrankenhaus bzw. an der Uni-Klinik. Die Patienten wünschen sich offensichtlich einen Arzt, der sie kennt und den sie kennen.

 

Image der Krankenhäuser schwierig

 

Obwohl gerade Universitätskliniken zumeist über eine hervorragende Ausstattung verfügen, rangieren sie in der Patientengunst deutlich hinter Praktischen Ärzten, Fachärzten und Apothekern. 93 Prozent vertrauen in Gesundheitsfragen dem Hausarzt und immerhin 75 Prozent suchen den Rat des Apothekers und nur 70 Prozent fühlen sich in der Uni-Klinik gut aufgehoben. Bei den Frauen genießt die Uniklinik sogar noch weniger Zustimmung: Nur 65 Prozent der Frauen geben an, dass sie dem Arzt an der Uni-Klinik in Gesundheitsfragen ihr Vertrauen schenken.

 

Das schwache Abschneiden der Krankenhäuser sollte den Verantwortlichen zu Denken geben. Die Allgemeinkrankenhäuser und Uni-Kliniken haben offensichtlich ein Imageproblem. Trotz oftmals bester Ausstattung fühlen sich viele Menschen im Krankenhaus nicht wirklich gut aufgehoben. Gerade angesichts des zunehmenden Wettbewerbs zwischen den Krankenhäusern und der fortschreitenden Konsolidierung in der Branche sollten die Krankenhäuser verstärkt an diesem Thema arbeiten. Wenn ein Krankenhaus es schafft, sich glaubwürdig als Ort der individuellen Pflege und Gesundung zu präsentieren, kann sich daraus durchaus ein Wettbewerbsvorteil ergeben. Derzeit stehen die Krankenhäuser aus Sicht der Patienten allerdings leider eher für anonyme Hochleistungsmedizin.

 

Sparmaßnahmen führen zu weiter nachlassender Akzeptanz

 

Die aktuelle Entwicklung lässt vermuten, dass die Akzeptanz des Gesundheitssystems in den kommenden Jahren weiter abnehmen wird. Und der Kostendruck im gesamten Gesundheitssystem wird in den nächsten Jahren eher zunehmen. Vor allem die Krankenhäuser müssen weitere Effizienzreserven erschließen - dies betrifft auch die Personalkosten. Andererseits zeigen die Studienergebnisse, dass dies nicht weiter auf Kosten der Betreuungsqualität gehen darf. Eines zeigt die Studie ganz deutlich: Eine auf Kosteneffizienz getrimmte Apparatemedizin ist genau das, was die Patienten nicht wollen.

 

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