Corona-Pandemie: Strategien an prekäre Lage anpassen

13.11.2020

"Auch wenn erste veröffentlichte Trends der SARS-CoV-2 Infektionszahlen und die COVID-19 Erkrankungszahlen einen abflachenden Anstieg zeigen, können wir im Moment nicht davon ausgehen, dass sich die Erkrankungszahlen unter eine Inzidenz von 50/100.000 innerhalb von sieben Tagen bewegen. Da die stationäre Behandlungsbedürftigkeit bis zu 14 Tage nachläuft, müssen wir deshalb bereits jetzt die Strategien anpassen." Dies fordert der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck, heute in Dresden.

 

Danach seien folgende Punkte zu überdenken:

 

1) Ist die Nachverfolgung noch zu leisten, sinnvoll sowie sachgerecht durchführbar?

Bereits jetzt sind die Gesundheitsämter überlastet. Viele fachfremde Mitarbeiter unterstützen nach bestem Wissen, verfügen jedoch nicht über die notwendigen Sachkenntnisse, sodass ihr Einsatz nur eingeschränkt möglich und eine Entlastung der Ämter nicht ausreichend gegeben ist.

 

2) Mit Blick auf die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben ist die Frage zu stellen, ob die Quarantäneregeln sachgerecht, eindeutig und wissenschaftlich abgesichert sind, ebenso ob sie in Deutschland einheitlich umgesetzt werden?

Es muss die Unterscheidung zwischen Kontaktperson I. und II. Grades überdacht werden.  Dazu gehört auch, ob es noch sachgerecht ist, Kontaktpersonen 14 Tage in Quarantäne zu schicken, wenn bekannt ist, dass die meisten Kontaktpersonen spätestens sieben Tage nach Kontakt erkranken.

 

3.) Müssen alle Kontaktpersonen aus systemrelevanten Berufen in Quarantäne? 

Auf Grund des Personalmangels sollten Kontaktpersonen aus systemrelevanten Berufen einheitlich unter Nutzung von mindestens FFP 2 Masken von der Quarantänepflicht befreit werden.

 

4.) Könnte im Rahmen eines gesundheitlichen Notstandes das Personal aus nicht systemrelevanten in systemrelevanten Bereichen eingesetzt werden?

Um ein Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu vermeiden, muss eine Alternative zu den bisherigen Personalstrategien gefunden werden.

 

Bodendieck: "Die angesprochenen Punkte sollen eine Diskussionsgrundlage für zukünftige politische Entscheidungen sein. Ich möchte damit die bisherige Strategie der sächsischen Staatsregierung auf keinen Fall in Frage stellen." Die Sächsische Landesärztekammer hat immer wieder deutlich gemacht, dass sie die Corona-Schutzmaßnahmen des Landes grundsätzlich mitträgt. "Wichtig ist mir aber auch zu betonen, dass gegenüber allen Menschen, welche sich weiter in Ihrem Beruf oder auch fachfremd zur Verfügung stellen, höchster Respekt gilt. Jetzt müssen wir mehr denn je das Funktionieren unserer Gesellschaft sichern."

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