Was bringt uns das Jahr 2006?

28.12.2005

Das vergangene Jahr war nicht eben von politischer Kontinuität geprägt. Sacharbeit blieb oftmals auf der Strecke, weil Personalpoker wichtiger war. Das neue Jahr verspricht nicht besser zu werden: Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes verschoben, Angleichung der GOÄ nach unten, Malusregelung bei Arzneimitteln.

 

Sieht so eine Gesundheitsreform aus die eine hohe Qualität der medizinischen Versorgung garantieren und gleichzeitig Kosten sparen will? Aus ärztlicher Sicht bestimmt nicht, denn die Arbeitsbelastung der Klinikärzte bleibt trotz anderslautender Urteile des Europäischen Gerichtshofes bestehen, die Bürokratie nimmt zu und an der ärztlichen Vergütung wird weiter gespart.

 

Viele Kollegen hat der Frust über die gesundheitspolitische Entwicklung auf die Straße getrieben, auch in Sachsen gab es an Kliniken und in Praxen Protestveranstaltungen. Unsere Patienten reagierten größtenteils mit Verständnis.

 

Die Arbeitsbedingungen für Ärzte werden auch mit einer Gesundheitsreform 2006 offensichtlich nicht besser werden. Burn out und Abwanderung in alternative Berufsfelder oder ins Ausland bleiben an der Tagesordnung. Wie wir in Sachsen mit dieser Art der Bundesgesundheitspolitik dem Ärztemangel begegnen wollen, ist fraglich. Bisher hat nur die konzertierte Aktion der sächsischen Selbstverwaltungskörperschaften und des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales zu einer ersten Linderung der gröbsten Ärzte-Defizite in Kliniken und Praxen geführt.

 

Aus meiner Sicht spitzt sich die Lage insgesamt zu, weil die drängenden Probleme der Gesundheitspolitik durch die Koalition nur verschoben werden. Lösungen sind nicht absehbar. In Sachen Bürgerversicherung oder Gesundheitsprämie wird es wohl einen Kompromiss aus beiden Modellen geben. Die Frage ist nur wann? Bis dahin wird am bestehenden unterfinanzierten System zulasten der Patienten und Ärzte herumgebastelt. Leistungsbeschränkungen sind an der Tagesordnung, aber nicht die Bundespolitik sondern wir Ärzte müssen sie vermitteln. Damit besteht die Gefahr das es mit einem nachgewiesenen weltweit sehr guten Gesundheitssystem in kürzester Zeit bergab geht.

 

Was also bleibt zu sagen zum Jahresbeginn? Vielleicht so viel: Die Ärzte und die Patienten müssen damit rechnen, dass es zu weiteren Eingriffen in das Arzt-Patienten-Verhältnis kommen wird. Die Selbstverwaltung ist mehr denn je gefordert, ihre am Allgemeinwohl orientierten Berufs- und Standesinteressen in die Waagschale zu werfen. Die Sächsische Landesärztekammer wird verstärkt am politischen Prozess partizipieren und den Kontakt nach Berlin suchen, um spezifische sächsische Probleme zu vermitteln. Und wir Ärzte dürfen bei allen politischen Streitigkeiten einen nicht aus den Augen verlieren: Den Patienten, den kranken hilfsbedürftigen Menschen. Dafür lohnt es sich noch immer, mit Tatkraft und Zuversicht in das neue Jahr zu gehen.

 

Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze
Präsident der Sächsischen Landesärztekammer

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