Tarifstreit: Die sächsischen Mediziner wollen den Druck auf die Arbeitgeber verstärken.

09.06.2006

(Sächsische Zeitung, 9. Juni 2006)

 

Ab Montag, dem 12. Juni 2006, wollen die Dresdner Universitätsärzte unbefristet streiken. Den Beschluss zur Verschärfung des Arbeitskampfes fasste einstimmig eine Ärzte-Vollversammlung am Uniklinikum Dresden. Dies meldet die Sächsische Zeitung (SZ) am 9. Juni 2006.

 

Dass von der bisherigen Alternativ-Regelung - eine Woche arbeiten, eine Woche streiken - nunmehr abgegangen werde, hätten der Verhandlungsführer der TdL, Hartmut Möllring, und dessen Stellvertreter, Sachsens Finanzminister Horst Metz (beide CDU), zu verantworten, sagt der Sprecher der Dresdner Assistenzärzte Sebastian Stehr der SZ. Metz hatte in dieser Woche erklärt, man wolle nicht weiter mit dem Marburger Bund verhandeln. Als Begründung nannte er den mit der Gewerkschaft Verdi ausgehandelten Tarifvertrag, der auch für die Ärzte gelten müsse.

 

Gespräche in Aussicht gestellt

 

Die Versammlung sei sich einig gewesen, dass angesichts solcher Einstellungen der Druck erhöht werden müsse, sagt Stehr. Es zeige sich, dass in Baden-Württemberg oder Bayern, wo längst durchgehend gestreikt würde, nach gemeinsamen Lösungen gesucht werde.

 

Die Dresdner Uni-Ärzte wollen ihre Aktivitäten in der kommenden Woche darauf konzentrieren, noch mehr Kollegen für den Arbeitskampf zu gewinnen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass auch Lehre und Forschung bestreikt würden.

 

Auch in der WM-Stadt Leipzig treten die Universitätsärzte nächste Woche wieder in den Ausstand. Ob dort unbefristet weitergestreikt wird, soll Ende der Woche auf einer Vollversammlung entschieden werden. In Dresden wie in Leipzig werde die Notfallversorgung gesichert, heißt es. Es gebe keine Streikunterbrechung wegen der Fußball-WM, doch in Katastrophenfällen stünden die streikenden Ärzte selbstverständlich zur Verfügung.

 

Nach Informationen von Steffen Forner, Landes-Geschäftsführer des Marburger Bundes in Sachsen, sei für die seit zwölf Wochen bundesweit streikenden Ärzte ein Streikfonds eingerichtet worden. Andere Klinik- und niedergelassene Ärzte, aber auch Patienten, wollten auf diese Weise ihre Solidarität mit den Medizinern im Ausstand ausdrücken. Der Marburger Bund verfüge über eine Streikkasse, aus der Aktionen finanziert würden, aber kein Streikgeld gezahlt werde.

 

Indessen verständigten sich gestern TdL-Verhandlungsführer Möllring und der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB), Frank Ulrich Montgomery, "zeitnah zu einem Gespräch zusammenzukommen, um den Tarifkonflikt an den Universitätskliniken und Landeskrankenhäusern zu entschärfen". Das teilte der Marburger Bund mit.

 

Er gehe optimistisch in das Gespräch mit Herrn Möllring, sagte Montgomery. Möllring erklärte, er wolle mit dem Vorsitzenden des Marburger Bundes und mit Verdi-Chef Frank Bsirske über einen Lösungsweg sprechen. Diese Gespräche wolle er getrennt führen.

 

Möllring betonte, gestritten werde nur noch über die Gehälter. Er schloss einen eigenständigen Tarifvertrag mit dem MB nicht aus. Bisher hatte der Verhandlungsführer der TdL darauf gepocht, der MB solle den Tarifvertrag mit Verdi übernehmen.

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