Sächsische Landesärztekammer kritisiert geplanten Ärzte-TÜV des AOK Bundesverbandes

15.06.2009

Dresden: "Ein Ärzte-TÜV ist keine sinnvolle Plattform zur Bewertung von Ärzten oder gar deren Behandlungsqualität. Anonyme Fragebögen ohne wissenschaftliche Grundlagen mit diffusen Aussagen schaffen nur Unsicherheit beim Patienten", so der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze, zum Vorhaben des AOK-Bundesverbandes, Ärzte im Internet bewerten zu lassen.

 

Patienten können nur zu einem kleinen Teil etwas über die Behandlung bei Ihrem Arzt Aussagen. Bei allem was die medizinische Behandlung anbelangt, fehlt einfach das Fachwissen. Hier sind die Qualitätsberichte der Krankenhäuser sehr viel besser geeignet, um sich eine Orientierung bei der Auswahl eines Krankenhauses oder einer Abteilung zu verschaffen. Und ab diesem Jahr werden auch für niedergelassene Ärzte Qualitätsberichte entwickelt. Sie können den Patienten bei der Auswahl eines Arztes eine sehr viel bessere Hilfestellung geben, als ein Ärzte-TÜV.

 

Prof. Schulze: "Sinnvoller ist es jedoch, wenn unzufriedene Patienten das Gespräch mit Ihrem Arzt suchen. Denn oftmals handelt es sich bei Unstimmigkeiten zwischen Arzt und Patient um lösbare Kommunikationsprobleme die im Arbeitsalltag entstehen. Verursacht werden diese vor allem durch die Belastung der Ärzte mit Bürokratie". Rund 30 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt ein Arzt mit Formularen der Krankenkassen oder von Behörden. Diese Zeit fehlt ihm dann beim Patientengespräch.

 

In Bezug auf die Patientenrechte haben Patienten heute sehr viel bessere Möglichkeiten, ihre Rechte geltend zu machen. Neben gesetzlichen Grundlagen bieten Verbände, Vereine, Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen und die Gutachterstellen der Landesärztekammern eine Vielzahl von Mitsprache- oder Mediationsmöglichkeiten an. Diese werden aber noch zu wenig genutzt, was wahrscheinlich daran liegt, dass die überwiegende Anzahl an Patienten mit ihren Ärzten zufrieden ist.

 

Ob die vom AOK-Bundesverband geplante Ärztebewertung im Internet eine wirkliche Hilfe für die Versicherten und Patienten darstellen kann, hängt sehr von deren Konzept ab. Erfahrungsgemäß achten Patienten auf Ersatzparameter, wie guter Service, freundliche Mitarbeiter, kurze Wartezeiten. Jedoch werden sie kaum hilfreich bei der Auswahl des "richtigen" Arztes bei gesundheitlichen Problemen sein. Wichtiger ist dagegen die Feststellung, ob ein Patient umfassend beraten oder aufgeklärt wurde. Für den Behandlungserfolg ist zudem eine gemeinsame Entscheidungsfindung von Arzt und Patient - ein sogenanntes "shared decision making" - entscheidend.

 

Weitere Informationen unter 0351 82 67 160.

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