Ärztemangel in deutschen Gesundheitsämtern gefährdet Infektionsabwehr

23.02.2013

In den bundesweit rund 400 Gesundheitsämtern sind mehr als 200 Facharztstellen länger als sechs Monate unbesetzt. Dies ergab eine Umfrage, die der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) in Zusammenarbeit mit dem Marburger Bund in den 378 deutschen Gesundheitsämtern durchgeführt hat. Ärztinnen und Ärzte aus 186 Gesundheitsämtern (49,2%) beteiligten sich an der Umfrage im vergangenen Jahr.

Hauptursache für den dramatischen Ärztemangel in den Gesundheits­ämtern seien danach die deutlich niedrigere Bezahlung der Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern. Die Gehälter der Ärzte im Öffentlichen Gesundheits­dienst lägen zwischen 10 und 20 Prozent unter dem tarifüblichen Niveau angestellter Ärzte in kommunalen Krankenhäusern. Ein Facharzt im ersten Jahr verdiene im Öffentlichen Gesundheitsdienst rund 900 Euro pro Monat weniger als sein Kollege in einem kommunalen Krankenhaus.

Um zukünftige Grippewellen oder Infektionsausbrüche in Krankenhäusern und Gemeinschafts­einrichtungen sowie andere Gesundheitskrisen wirksam zu bekämpfen, bräuchten wir einen funktionsfähigen Öffentlichen Gesundheitsdienst", so die Vorsitzende des BVÖGD, Dr. Ute Teichert-Barthel.

Der Umfrage zufolge griffen die bisherigen Ansätze, Fachärztinnen und Fachärzte für den Öffentlichen Gesundheitsdienst zu gewinnen, zu kurz. Lediglich etwa fünf Prozent der Ärzte in Gesundheitsämtern erhalten außertarifliche Sonderregelungen. In weniger attraktiven Regionen und kleineren Ämtern außerhalb der Ballungsgebiete können Stellen nicht oder nur nach mehrfachen Ausschreibungen qualifiziert besetzt werden.

Die Tätigkeit von Ärzten im Öffentlichen Gesundheitsdienst sei ebenso wie die anderer Ärzte von hoher Verantwortung geprägt. Es werde häufig außer Acht gelassen, dass ohne den Öffentlichen Gesundheitsdienst die medizinische Betreuung sozial benachteiligter, psychisch kranker und wohnungsloser Menschen ins Schleudern geriete. Die Wertschätzung für diese gesellschaftlich so bedeutsame Aufgabe müsse sich endlich auch materiell in angemessenen Tarifen für die Ärztinnen und Ärzte niederschlagen, so der 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke.

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