Kein Anstieg bei Behandlungsfehlern

56 Behandlungsfehler bei 32 Millionen Behandlungsfällen

23.06.2014

Dresden: Die Gutachterstelle für Arzthaftungsfragen der Sächsischen Landesärztekammer hat ihren aktuellen Jahresbericht vorgelegt. 2013 sind dort 388 Anträge wegen eines vermuteten Behandlungsfehlers eingegangen (2012: 365). In 278 Fällen wurde auf Grund der eingereichten Unterlagen eine Begutachtung wegen eines vermuteten Behandlungsfehlers eingeleitet (2012: 274). In 56 Fällen wurde ein Behandlungsfehler durch die Gutachter festgestellt (2010: 67, 2011: 56, 2012: 69). Rund 32 Millionen Behandlungsfälle gibt es pro Jahr in den ambulanten und stationären Einrichtungen in Sachsen.

 

"Jeder Behandlungsfehler ist ein Fehler zu viel, denn hinter jedem Fehler steht auch ein Schicksal.", so Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer. Und auch wenn die absolute Zahl der tatsächlichen Behandlungsfehler nicht gestiegen ist, sieht er die insgesamt geringe Anzahl an Fehlern trotz der extrem beschleunigten Abläufe und der Arbeitsverdichtung in Krankenhäusern und Praxen sowie der zunehmenden Bürokratie im Gesundheitswesen als ein Indiz für die verantwortungsvolle Tätigkeit der Ärzte, Schwestern und Pflegekräfte. Zudem ist es der Beleg dafür, dass die im Januar vom AOK-Bundesverband behauptete hohe Zahl an Behandlungsfehlern absolut falsch ist.

 

Der Vorsitzende der Gutachterstelle, Dr. med. Rainer Kluge, betont, "dass sich der steigende ökonomische Druck bisher nicht in den Zahlen der Gutachterstelle niedergeschlagen hat. Die Gründe dafür liegen in der verantwortungsvollen und umsichtigen Tätigkeit des gesamten medizinischen Personals sowie in dem Fehlervermeidungsmanagement der Kliniken. Dennoch kann es zu Fehlern kommen, deren Ursachen man unbedingt auswerten und transparent machen muss, damit diese nicht mehr passieren."

 

Von den 278 eingeleiteten Begutachtungen entfielen 191 auf den stationären Sektor, 19 auf Klinikambulanzen und 68 auf ambulante Praxen. 109 Anträge betrafen die Fachrichtung Chirurgie, 41 die Orthopädie, 32 die Innere Medizin, 23 die Fachrichtung Gynäkologie/Geburtshilfe, 15 die Neurologie/Psychiatrie, je zehn Anträge bezogen sich auf die Allgemeinmedizin, die Radiologie und die Urologie sowie sieben Anträge auf das Fachgebiet HNO. Sechs entfielen auf die Fachbereiche Anästhesiologie/Intensivmedizin und fünf auf die Augenheilkunde. Des Weiteren wurden je vier Fälle in der Neurochirurgie und im Bereich Kinderheilkunde begutachtet. In der Rehabilitation gab es zwei Fälle, in der Pathologie und der Strahlentherapie je einen Fall.

 

Weitere Informationen unter 0351 8267-160 oder 0173 6242315.

 

 

Hintergrund Gutachterstelle:
Zweck der Gutachterstelle ist es, Rechtsstreitigkeiten, mit welchen Patienten Ansprüche gegen einen Arzt wegen des Vorwurfes fehlerhafter ärztlicher Behandlung erheben, zu vermeiden und außergerichtlich zum Grunde des Anspruches zeit- und kostensparend beizulegen. Die Gutachterstelle kann nur im allseitigen Einverständnis der Parteien (Haftpflichtversicherer, Arzt, Patient) tätig werden.

 

Die Gutachterstelle kann erst angerufen werden, wenn der Haftpflichtversicherer zu dem Schadensersatzanspruch Stellung genommen hat. Der Patient muss den Arzt von der Pflicht zur Berufsverschwiegenheit entbunden haben, ebenso eventuelle weitere Ärzte, welche ihn behandelt haben. Die Gutachterstelle prüft den Sachverhalt und gibt abschließend eine begründete Stellungnahme ab, ob aufgrund einer fehlerhaften Behandlung ein Anspruch dem Grunde nach besteht.

 

Die Gutachterstelle kann, soweit erforderlich, einen weiteren Gutachter mit der Erstattung eines Zusatzgutachtens beauftragen. Die Gutachterstelle entscheidet in der Besetzung eines Vorsitzenden, welcher Arzt sein soll und einem langjährig erfahrenen Richter. Die Gutachterstelle wird nicht tätig, wenn in dem Streitfall bereits eine zivilrechtliche Entscheidung beantragt oder ergangen ist. Sie muss das Verfahren aussetzen, solange ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren oder ein Strafverfahren in gleicher Sache anhängig ist.

 

Die Gutachterstelle kann nicht nur von Patienten sondern auch von Krankenhausträgern angerufen werden. Die Bestellung der Mitglieder der Gutachterstelle und deren Stellvertreter erfolgt durch den Vorstand der Sächsischen Landesärztekammer. Vorsitzender der Gutachterstelle an der Sächsischen Landesärztekammer ist seit 1992 Dr. med. Rainer Kluge.

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