Wissenschaftsrat für erneute Reform des Medizinstudiums

18.07.2014

In seinen Empfehlungen zur künftigen Gestaltung des Medizinstudiums in Deutschland spricht sich der Wissenschaftsrat deutlich für eine erneute Reform aus. Wie das Deutsche Ärzteblatt aktuell in Heft 29-30 berichtet, soll nach Ansicht des Beratergremiums der Politik die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten künftig kompetenzbasierter, bundesweit einheitlicher, wissenschaftsorientierter und gestraffter werden.

 

Für seine konkreten Empfehlungen ließ sich der Rat durch die neun existierenden Modellstudiengänge in der Humanmedizin inspirieren. Kern seiner Vorschläge ist eine Auflösung der klassischen Trennung von Vorklinik und Klinik. Stattdessen sollen die theoretischen und klinischen Teile des Studiums generell verschränkt werden, wobei die klinischen Anteile im Laufe der Ausbildung zunehmen.

 

Um den wachsenden Anforderungen des Arztberufes in ständig komplexer werdenden Versorgungssituationen Rechnung zu tragen, sollen die klassischen Fächer des Medizinstudiums in die zweite Reihe rücken. Im Vordergrund sollen Studieninhalte stehen, die in fächer- und themenzentrierten Modulen vermittelt werden können.

 

Um vorklinisches und klinisches Studium enger zu verzahnen, solle auch über frühere Kontakte zwischen echten Patienten und angehenden Ärzten nachgedacht werden. Die praxisorientierte Gestaltung könne auch dazu beitragen, Studierende für die Versorgung zu begeistern.

 

Der sich abzeichnende Ärztemangel spielt in den Überlegungen der Ratsmitglieder ebenfalls eine Rolle. Alle Universitäten sollten Fachbereiche für Allgemeinmedizin einrichten. Um unter anderem die Wechselmöglichkeiten zwischen den Universitäten zu erleichtern, empfehlen die Räte eine bundesweit einheitliche Zwischenprüfung nach dem sechsten Semester.

 

Um das Studium nicht weiter zu überfrachten, schlagen die Wissenschaftler den Rückzug auf ein Kerncurriculum vor, das 75 bis 80 Prozent des Stoffs umfassen soll. 25 bis 20 Prozent sollen sich die Studierenden selbst in die Stundenpläne schreiben können. Damit würde schon früh eine individuelle Schwerpunktsetzung ermöglicht.

 

Mehr Wahlfreiheit soll es auch im praktischen Jahr geben. Ausgehend von den Erfahrungen mit den neun Modellstudiengängen - von derzeit 37 Medizinstudiengängen in Deutschland überhaupt - schlagen die Räte Quartale statt wie bislang Tertiale vor. Innere Medizin und Chirurgie sollen Pflicht bleiben. Ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin halten sie für unnötig.

 

Mit der Stärkung der Wissenschaftlichkeit im Studium soll auch der Etablierung privater Medical Schools mit fraglicher wissenschaftlicher Ausbildung eine deutliche Absage erteilt werden. Der Erwerb wissenschaftlicher Kompetenzen im Studium als Voraussetzung für die verantwortungsvolle ärztliche Berufsausübung soll sogar ausgebaut werden: Alle Studierenden sollen künftig im Rahmen einer obligatorischen Forschungsarbeit ein Problem aus dem Gebiet der Medizin selbstständig nach wissenschaftlichen Methoden bearbeiten.

 

Seitenfunktionen

Partner

  • Ärzte für Sachsen
  • Gesundheitsinformationen Sachsen
Mein Konto

Schnelleinstieg

Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte

Fort- und Weiterbildungskurse für Ärzte