Sächsische Landesärztekammer kritisiert undifferenzierte Berichterstattung zu Anwendungsbeobachtungen

16.03.2016

Mehrere Medien widmen sich derzeit dem Thema der Anwendungsbeobachtungen

(AWB) insbesondere in der Onkologie und basierend auf einer Recherche von correctiv.org. Die Beiträge stellen zumeist die wissenschaftliche Fragwürdigkeit dieser nicht-interventionellen Studien und deren vordergründige Absicht zur Gewinnoptimierung heraus.

 

Diese Darstellung suggeriert, dass Medikamentenforschung und klinische Studien generell nutzlos seien und ausschließlich der Gewinnoptimierung von Ärzten, Kliniken und Pharmaindustrie dienen. Es wird unterstellt, dass eine Vielzahl von Ärzten bei der Medikamentenverordnung nicht die optimale Behandlung des Patienten im Blick habe, sondern hauptsächlich den eigenen ökonomischen Vorteil. An keiner Stelle wird zwischen AWB und etablierter klinischer Forschung getrennt. Die Durchführung klinischer Prüfungen ist jedoch ein wichtiges Qualitätsmerkmal für ambulante wie stationäre Einrichtungen.

 

Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer: „Diese undifferenziert diskreditierende Diktion schadet dem essentiell notwendigen Vertrauensverhältnis zwischen Patienten, seinen Angehörigen und den Behandlern. Eine im konkreten Falle angebotene Therapie im Rahmen eines Studienkonzeptes könnte nach diesen Beiträgen in Zweifel gezogen werden und den weiteren Innovationsprozess zum Beispiel in der Onkologie hemmen. Damit würde man vor allem den Patienten schaden."

 

Die Sächsische Landesärztekammer fordert deshalb eine sachliche und differenziertere Berichterstattung im Sinne eines gesellschaftlichen Diskurses und zum Nutzen der Forschung. Die Ethikkommission der Sächsischen Landesärztekammer prüft jährlich auf Antrag rund 15-20 AWB im Hinblick auf Patienteninformationen, Datenschutzaspekte und ob die AWB geeignet ist, Erkenntnisse bei der Anwendung zugelassener Arzneimittel zu sammeln. Geprüft wird auch, ob Ärzte gemäß § 33 Berufsordnung (Zuwendungen bei vertraglicher Zusammenarbeit) durch die AWB womöglich in ihrem Verordnungsverhalten beeinflusst werden. Dazu kann der Berufsrechtsausschuss mit herangezogen werden. Sollte es Beanstandungen geben, werden Modifikationen veranlasst.

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