10 Jahre Netzwerk „CrescNet” zu Wachstumsstörungen bei Kindern

28.11.2004

Das Netzwerk "CrescNet" wurde vom Leipziger Kinderarzt und Wachstumsspezialisten Prof. Dr. Eberhard Keller begründet. 330 Kinderarztpraxen sind heute an dem Projekt beteiligt, rund 250 000 Kinder sind bisher erfasst, 13 Wachstumsspezialisten bringen ihr Know How ein. Das 6. Symposium CrescNet anlässlich des 10jährigen Bestehens der Stiftungsprofessur "Wachstum und Entwicklung" zieht am 27. November 2004 in Leipzig Bilanz.

 

Der Wachstumsexperte Prof. Keller hat von jeher die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kinderärzten gesucht. Er wollte nicht warten, bis - manchmal zu spät - wachstumsgestörte Kinder in seine Spezialsprechstunde geschickt wurden, sondern er entwickelte ein Präzisionsmessgerät, mit dem ausgestattet, Kinderärzte leicht Abweichungen vom normalen Wachstum feststellen können. In den Spezialsprechstunden wurden die Ursachen für die Wachstumsstörung diagnostiziert und wenn möglich, eine Therapie eingeleitet. Damit das Wachstum auch sehr junger Kinder identifiziert werden konnte, entwickelte er auch ein spezielles Messgerät für Babys.

 

Mit diesen Messsystemen, ihrer kostenlosen Stationierung bei den Kinder- und Jugendärzten und mit dem Austausch der entsprechenden Daten legte er den Grundstein für das "CrescNet" (von lat. crescere = wachsen, gedeihen), das sich schnell zu einem der wirksamsten Instrumente der rechtzeitigen und kontinuierlichen Betreuung wachstumsgestörter Mädchen und Jungen entwickelte und mit der zusätzlichen Erfassung des Körpergewichts ganz neue Möglichkeiten der Prävention von Übergewicht und Essstörungen bot. Und - quasi als Nebenprodukt - zeigte sich schnell die Bedeutung für die Wissenschaft: Die steigenden Datenzahlen widerspiegeln die Entwicklung unserer Kinder und induzieren gesundheitsfördernde Maßnahmen mit gesellschaftlichen Ausmaßen.

 

Wenn inzwischen eine Viertel Million Kinder, 330 Praxen und 13 Wachstumsexperten aus ganz Deutschland im Netzwerk erfasst sind, ist der Datenschatz nur noch über eine perfekte Datenverarbeitung zu bewältigen. Inzwischen ist eine neue Datenbank in Betrieb genommen, in die jeder beteiligte Kinderarzt die Daten einstellen kann, die von der Zentrale in Leipzig zielgerichtet abrufbar sind. "Schon im Babyalter können wir nun gegebenenfalls mit der Behandlung von Wachstumsstörungen beginnen.", freut sich Prof. Keller. "D.h. ein kleinwüchsiges Kind, dem Wachstumshormon fehlt, muss nicht mehr den Stress der Kleinwüchsigkeit kennen lernen, weil es sich von Anfang an wie seine Altersgenossen entwickelt."

 

Auch abweichende Gewichtszunahme ist ablesbar. "Wir können mit individuellen Therapieprogrammen zu einem Zeitpunkt beginnen, zu dem die Adipositas noch nicht manifest ist.", so Keller. "Die Eltern sollen dabei nicht nur über die gesundheitlichen Risiken des Übergewichts aufgeklärt werden, sondern auf die Familien zugeschnittene Handlungsmuster bekommen, die nachdrücklich auf dem aufbauen, was die Familien für ihr Leben als wichtig und richtig erachten." Dazu brauchen die Kindermediziner den Kontakt zu den Kassen, die durch spezielle Anreize, z.B. Erlass der Praxisgebühr, die betroffenen Familien dazu bringen könnten, mit zu machen und dabei zu bleiben. "Das Geld, das hierfür ausgegeben wird, amortisiert sich in der Zukunft durch weniger Atherosklerose-Erkrankungen und Diabetes, die typischen Folgekrankheiten von Übergewicht.", so Prof. Keller.

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