Ärzte und Medizin im Nationalsozialismus

15.04.2005

Dresden: Vor 60 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit, vor 60 Jahren wurde neben anderen deutschen Städten Dresden in Schutt und Asche gelegt. Vor 60 Jahren fand Hitlerdeutschland ein Ende. Dass man sich 60 Jahre "danach" mit Neonazismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit beschäftigen muss ist mehr als besorgniserregend. Der Nationalsozialismus mit seinen Schreckenstaten ist auch seit den Landtagswahlen in Sachsen ein hochaktuelles Gesprächsthema. Dies schreibt der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Herr Prof. Dr. Jan Schulze, im Editorial der Aprilausgabe des Ärzteblattes Sachsen.

 

Die Zeit des Nationalsozialismus und die Verbrechen, die in dieser Zeit begangen wurden sind ein besonders schwieriger finsterer Teil deutscher und damit auch sächsischer Geschichte. Auch die verheerende Rolle der Ärzte und der Medizin in der NS-Diktatur ist keineswegs ausreichend aufgearbeitet.

 

Fast die Hälfte der Mediziner waren damals Mitglieder der NSDAP, Ärzte zählten mit zu den geistigen Wegbereitern der Rassengesetze und zu ihren "willigen Vollstreckern".

 

Es waren Ärzte, die Menschen gequält und ermordet haben, Menschenversuche wurden an Lagerhäftlingen gemacht und als "Forschung" deklariert. Ärzte waren verantwortlich für den tausendfachen Mord an psychisch kranken und geistig behinderten Menschen. Eine dieser Vernichtungsanstalten befand sich in Sachsen, in Pirna-Sonnenstein.

 

Ärzte waren aber auch Opfer. Opfer, weil sie der jüdischen oder anderen Minderheiten angehörten. Opfer, weil sie Diskriminierten halfen oder dem Faschismus die Gefolgschaft verweigert haben. Ärzte haben vielleicht auch nur geschwiegen, wie viele andere auch.

 

Die weitere Aufarbeitung, Bekanntmachung und Erinnerung an die Verbrechen der Zwangssterilisation, der brutalen Euthanasie-Aktionen und des infamen sogenannten "Sächsischen Sonderwegs" zur systematischen Liquidierung geistig und körperlich Behinderter durch Nahrungsentzug und Sedierung sind Mahnung und Verpflichtung für die Nachgeborenen. Nie wieder darf es zu einer solchen systematischen und radikalen Entwertung des Menschen kommen. Dies gilt übrigens auch im Lichte grenzenloser biomedizinischer Zucht- und Klonexperimente, da auch hier die Gefahr besteht, dass die Achtung vor der Menschenwürde und der Schutz des menschlichen Lebens gefährdet sind.

 

Aus diesem Grunde wurde die aktuelle Ausgabe des Ärzteblattes Sachsen unter das Thema "Ärzte und Medizin im Nationalsozialismus" gestellt. Die Zusammenstellung der Texte zeigt die verschiedenen Facetten eines Regimes unter besonderen Gesichtspunkten sächsischer Geschichte auf.

 

Aus dem Inhalt

  1. 1.Frau Prof. Kästner (Uni Leipzig):
    Die nationalsozialistische Gesundheitspolitik und ihre Auswirkungen auf die Medizin
  2. 2.Herr Dr. Zehmisch (Plauen):
    Deutsche Hakenkreuzmedizin - Ideologen und Praktiker
  3. 3.Herr Prof. Bach (Sächsische Landesärztekammer Dresden):
    Euthanasie im Dritten Reich
  4. 4.Herr Dr. Böhm (Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein):
    Pirna Sonnenstein - von der Reformpsychiatrie zur Tötung psychisch Kranker
  5. 5.Frau Dr. Lienert (TU Dresden):
    Dresden - Zentrum der Neuen Deutschen Heilkunde
  6. 6.Herr Frey (Deutsches Hygiene Museum Dresden):
    Prävention und Propaganda, Gesundheitsaufklärung im Deutschen HygieneMuseum zwischen 1933 und 1939
  7. 7.Herr Dr. Zehmisch (Plauen):
    Die deutsche Justiz - eine Stütze der Rassenhygiene im Dritten Reich
  8. 8.Herr Prof. Scholz, Frau Töpolt (TU Dresden):
    Die Praxis der Zwangssterilisation in Dresden
  9. 9.Frau Prof. Heidel (TU Dresden):
    Schicksale jüdischer Ärzte in Sachsen während des Nationalsozialismus
  10. 10.Herr Otto (Ratsarchiv Görlitz):
    Vertreibung jüdischer Ärzte aus Görlitz
  11. 11.Frau Dr. Sack (Gedenkstätte Münchener Platz Dresden):
    Dr. Margarete Blank - Justizmord wegen Wehrkraftzersetzung 1945

 

Bestellungen des Heftes unter 0351 / 82 67 351.

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