Noch freie Ausbildungsplätze bei Freien Berufen

23.08.2005

Die Freien Berufe intensivieren noch einmal ihre Bemühungen auf der Suche nach geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern. "Bei Ärzten, Zahn- und Tierärzten, Apotheken, Anwälten und Notaren sowie Steuerberatern sind noch freie Ausbildungsplätze zu haben", so Dr. Ulrich Oesingmann, Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB), in Berlin. "Um Angebot und Nachfrage besser zusammen zu bringen, wurde eine Ausbildungsstellenbörse erweitert und aktualisiert."

 

Der BFB appelliert erneut an alle Freiberufler, unbesetzte Lehrstellen unbedingt den zuständigen Kammern zu melden. Deren Internet-Stellenbörsen können interessierte Jugendliche zentral über die BFB-Seiten einsehen. Durch die zentrale Lehrstellenbörse beim BFB soll verhindert werden, dass wieder viele Hundert Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, weil ausbildungsortnah keine geeigneten Bewerber gefunden werden und die Jugendlichen anderer Regionen hiervon keine Kenntnis haben.

 

Nutzen und Kosten der betrieblichen Ausbildung
Das sich die Ausbildung für den Freigerufler auch lohnt, zeigt eine Studie des Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) in dem Projekt "Nutzen und Nettokosten der Berufsausbildung für Betriebe". Die Kosten und Nutzen der betrieblichen Ausbildung spielen für die Ausbildungsbereitschaft insbesondere in kleineren Betrieben und Einheiten eine zentrale Rolle. Betriebe und Freiberufler bieten jungen Menschen Ausbildungsplätze im Allgemeinen nicht zum Selbstzweck an, sondern weil sie sich davon auch einen Nutzen versprechen. Während die Kosten der Ausbildung - zumindest auf den ersten Blick - relativ überschaubar sind, ist die Bewertung des Nutzens weitaus komplizierter und komplexer. Um hier für mehr Transparenz zu sorgen, hat das BiBB in seiner Studie neben den Ausbildungskosten auch wichtige Dimensionen des Ausbildungsnutzens untersucht.

 

Kosten
Der BFB weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich Ausbildung vor allem für Angehörige der Freien Berufe finanziell lohne. Laut der Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) ist für Freiberufler die Rekrutierung von Fachkräften über den Arbeitsmarkt in der Regel teurer als die eigene Ausbildung des Nachwuchses.

 

Die Ausbildungskosten setzen sich im Wesentlichen zusammen aus den Personalkosten der Auszubildenden (Ausbildungsvergütungen, Sozialversicherungsbeiträge, tarifliche und freiwillige Sozialleistungen) sowie den Personalkosten für alle an der Ausbildung beteiligten Mitarbeiter. Erstere betragen pro Auszubildenden und Jahr über alle Ausbildungsbereiche hinweg 8.269 €, letztere 5.893 €. Einen weiteren Kostenfaktor stellen die Anlage- und Sachkosten der Ausbildung dar. Diese belaufen sich auf 545 €. Sonstige Kosten (z.B. für Lehr- und Lernmittel, Prüfungsgebühren usw.) entstehen in Höhe von 1.728 €. Bezieht man alle o.g. Kostenarten mit ein (Vollkostenrechnung), so liegen die durchschnittlichen Bruttokosten bei 16.435 € pro Auszubildenden und Jahr. Da der Auszubildende in der betrieblichen Ausbildung in der Regel auch produktiv ist, d.h. er leistet für den betrieb wirtschaftlich verwertbare Arbeiten, müssen diese geschätzten Erträge in Höhe von durchschnittlich 7.730 € abgezogen werden, sodass sich Nettokosten in Höhe von 8.705 € ergeben.

 

Nutzen
Die betriebliche Berufsausbildung ist mit Vorteilen verbunden, die ein Ausbildungsbetrieb gegenüber einem nicht ausbildenden Unternehmen hat. Einer dieser Vorteile ist vor allem die Einsparung von Kosten bei der Einstellung externer Fachkräfte. Danach ergeben sich durch Ausbildung eingesparte Rekrutierungskosten von rund 4.752 € pro einzustellender Fachkraft in den Ausbildungsberufen der Freien Berufen.

 

Zusätzlich zu den zu beziffernden Ausbildungsnutzen gibt es weitere wichtige Nutzenelemente. Von großer Bedeutung dürften die Nutzenelemente sein, die aus einem Ansehensgewinn (Image) des Betriebes bei Außenstehenden resultieren. Der Nutzen entspricht den Opportunitätskosten, welche dem Betrieb bei einem Verzicht auf Ausbildung entstehen würden. Komponenten dieser Opportunitätskosten sind:

  • Rekrutierungskosten: Kosten, die zur Suche und Einstellung einer externen Fachkraft anfallen würden plus Kosten für Einarbeitung und Qualifizierung.
  • Leistungsunterschiede zwischen betrieblich und extern Ausgebildeten: Im eigenen Betrieb ausgebildete Jugendliche erwerben dort frühzeitig ein Wissen über die Besonderheiten des betrieblichen Dienstleistungsprozesses und der Arbeitsvorgänge.
  • Fehlbesetzungs- und Fluktuationskosten: Bei der Einstellung eines Externen besteht ein höheres Risiko von Fehlbesetzungen, wodurch auch eine verstärkte Fluktuation ausgelöst werden könnte.
  • Ausfallkosten: Wesentlicher Bestandteil der Ausbildung könnte die Vermeidung von Ausfallkosten darstellen, welche dann entstehen, wenn ein bestehender Fachkräftemangel für eine gewisse Zeit nicht über den Arbeitsmarkt gedeckt werden kann. Je schwieriger die Lage am Arbeitsmarkt ist, desto stärker fällt dieser Nutzenaspekt ins Gewicht.

 

Kosten-Nutzen im Vergleich
Als einziger Wirtschaftsbereich weisen demnach die Freien Berufe Nettoerträge auf, während in anderen Ausbildungsbereichen Nettokosten entstehen. Vergleicht man die Höhe der Teilkosten für eine durchschnittliche Ausbildungsdauer von drei Jahren mit den sich bei Durchführung einer Ausbildung ergebenden Einsparungsmöglichkeiten von Rekrutierungskosten, so wird deutlich, dass die betriebliche Ausbildung in der Regel eine rentable Investitionsentscheidung sein dürfte. Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg stehen einem quantifizierbarer Nutzen von 5.765 € Gesamtkosten in Höhe von 7.344 € (3 mal 2.448 €) gegenüber. Bei den Freien Berufen erscheinen sogar Gesamterträge von 1.011 € (3 mal 337 €), die laut der Studie einen quantifizierbaren Nutzen von 4.752 € nach sich ziehen. Zu dem quantifizierbarem Nutzen kommen wohl auch noch die nicht quantifizierbaren Nutzenelemente hinzu, die je nach Wirtschaftsbereich eine mehr oder weniger große Bedeutung haben.

 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass laut der BiBB-Studie den Ausbildungskosten ein hoher Ausbildungsnutzen gegenüber steht. Die betriebliche Ausbildung - insbesondere im Bereich der Freien Berufe - bietet dem Ausbilder viele ökonomische Vorteile. Der Bundesverband der Freien Berufe ruft daher nochmals alle Freiberufler dazu auf, jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben und ihnen einen Ausbildungsplatz anzubieten.

 

Bundesverband der Freien Berufe

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