Wo in Sachsen die Ärzte fehlen

08.02.2010

Hoffnung auf über 400 neue Arztstellen: SZ veröffentlicht exklusiv die Bedarfsliste der Kassenärztlichen Vereinigung

 

Der Streit um den Ärztemangel ist neu entfacht: Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) fehlen im Freistaat derzeit 407 niedergelassene Ärzte, davon allein 326 Hausärzte. Dazu kommen nach Angaben der Krankenhausgesellschaft weitere 277 offene Stellen in den sächsischen Kliniken. Dies berichtete die Sächsische Zeitung (Autor: Steffen Klameth) am 5. Februar 2010.

 

In die neue Berechnung für die Kassenärzte ist erstmals der sogenannte demografische Faktor eingeflossen. Er berücksichtigt die Tatsache, dass die Menschen in Sachsen im Durchschnitt deutlich älter sind als in den meisten anderen Bundesländern - und damit mehr Ärzte nötig sind. Bis zum heutigen Tage wird der Ärztebedarf jedoch auf der Grundlage der Bevölkerungsstatistik von 1990 geplant. Außerdem gilt dabei die Maßgabe, dass ein Gebiet erst dann unterversorgt ist, wenn weniger als 50 Prozent der Facharzt- bzw. 75 Prozent der Hausarztstellen besetzt sind.

 

Für den Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen, Dr. Klaus Heckemann, ist diese Rechnung "veraltet und praxisfern". Er kämpft seit Jahren für eine realistischere Planung. Nun ist er seinem Ziel nahe: Im Mai wird der Gemeinsame Bundesausschuss, in dem Vertreter der Kassenärzte und Krankenkassen sitzen, über die neuen Grundsätze bei der Bedarfsplanung abstimmen. Der zuständige Unterausschuss des Gremiums hatte der Berücksichtigung des demografischen Faktors bereits in der vergangenen Woche zugestimmt.

 

Krankenkassen widersprechen

 

Beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen sieht man die Situation völlig anders. "Allein in Sachsen arbeiten insgesamt 945 Vertragsärzte mehr als erforderlich", sagte die stellvertretende Pressesprecherin, Ann Marini, der SZ. "In den nicht so gut versorgten Kreisen fehlen lediglich 35 Ärzte, um auch hier eine Vollversorgung zu erreichen." Bundesweit gebe es rund 25.000 Ärzte zu viel, vor allem in attraktiven Gegenden. Durch diese Überversorgung würden Mittel gebunden, die damit nicht dort zur Verfügung stehen, wo sie am dringendsten gebraucht würden.

 

Tatsächlich geht es bei dem Streit vor allem ums Geld. Denn mehr Arztstellen bedeuten höhere Kosten, und schon jetzt kommen viele Krankenkassen mit ihren Einnahmen nicht mehr um die Runden und müssen Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern verlangen. Das kann KVS-Chef Heckemann jedoch nicht rühren: "Bei den Kassen fehlt die Einsicht, dass ihre Versicherten auch Patienten sind."

 

Offen bleibt bei alledem die Frage, ob es überhaupt so viele Mediziner für die freien Stellen gibt. Nach der bisherigen Bedarfsplanung der KVS könnten schon jetzt 117 zusätzliche Vertragsärzte ihre Arbeit in Sachsen aufnehmen.

 

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