Sinkende Abbrecher- und steigende Absolventenzahlen bei Medizinern

07.06.2010

Ein Studienabbruch ist in der Medizin wesentlich seltener, als vielfach behauptet. Zu diesem Schluss kommt der Medizinische Fakultätentag (MFT). Die Abbrecherquote im Studium sei nach HIS-Studien (Hochschul-Informations-System) auf fünf Prozent gesunken. Die Zahl der Absolventen stieg dagegen auf über 9.850 im Jahr 2008 an. Die seit dem Jahr 2007 kursierende Annahme eines Schwundes von über 40 Prozent träfe damit nicht zu. Die Forderung nach einem Bachelor in der Medizin ließe sich mit der Abbruchquote jedenfalls nicht begründen.
 

Die von Bund und Ländern grundfinanzierte Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) veröffentlichte im letzten Jahr eine Abbrecherquote von fünf Prozent für die Mediziner. HIS-Studien beschränken sich nicht auf Stichtagserhebungen. Kohortenbetrachtungen und Absolventenbefragungen - auch nach fünf und zehn Jahren - haben die HIS-Studien zum Qualitätsstandard für die vergleichende Bewertung der Fächer gemacht. Langzeitbetrachtungen und Studierendenverläufe sind für die Medizin aus zwei Gründen besonders wichtig: Der Anteil der Studentinnen und die internationale Mobilität der Absolventen sind mit über 60 Prozent besonders hoch. An den Universitäten in Frankreich und der Schweiz, in denen die Note der Hochschulzulassungsberechtigung keinen maßgeblichen Einfluss bei der Bewerberauswahl hat, liegen die Abbrecherquoten um ein Vielfaches höher.
 

Hinsichtlich der bestandenen Abschlussprüfungen des Medizinstudiums ist die Lage eindeutig. Sie sinken nicht, wie behauptet wird. Die Daten des Statistischen Bundesamtes zeigten, dass die Absolventenzahlen der Medizinischen Fakultäten in sechs Jahren von rund 8.810 um 12 Prozent auf rund 9.850 angestiegen sind.
 

Experten bezweifeln zudem, dass die Einführung eines Bachelors die Studienabbrüche noch weiter reduzieren könnte. So erfolgten Ausstiege vorrangig in den ersten Semestern aufgrund von Prüfungsversagen. In späteren Semestern führten vereinzelt klinische Erfahrungen zum Studienfachwechsel oder Abbruch. Die HIS-Untersuchung stellt fest, dass das für die Medizin gegebene klare Berufsbild und die damit zusammenhängende Motivation sowie die Studienstrukturen und Zugangsbeschränkungen dazu führten, dass nur sehr wenige Studienanfänger die Universität ohne Examen verlassen.

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