Demographischer Faktor für die Bedarfsplanung beschlossen

20.07.2010

Zukünftig wird bei der Planung des Ärztebedarfes für die ambulante Versorgung (neben der Arzt-Einwohner-Relation in einer bestimmten Region) auch die Altersstruktur berücksichtigt. Eine entsprechende Änderung der so genannten Bedarfsplanungsrichtlinie hat der dafür zuständige Gemeinsame Bundesausschuss in Berlin beschlossen.

 

Der Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen, Dr. Klaus Heckemann, bewertet den Beschluss "als sehr gutes und längst überfälliges Signal gegen den Ärztemangel." Er erwartet, "dass nun sehr bald wieder wirksame Instrumente zur Verfügung stehen, um Ärzte gezielt in von Unterversorgung bedrohte Gebiete zu holen."

 

Die KV Sachsen hatte seit 3 Jahren vergeblich für eine Abbildung des wirklichen Versorgungsbedarfes mit einem Demographiefaktor an Stelle der seit 1990 gültigen realitätsfernen Bedarfsplanung geworben. Besonders in den neuen Bundesländern gibt es erwiesenermaßen einen erhöhten Anteil älterer Menschen mit einem erhöhten Behandlungsbedarf in der ambulanten Versorgung, der in der alten Bedarfsplanung völlig unberücksichtigt blieb. Nach den "alten" gesetzlichen Vorgaben waren so sachsenweit insgesamt 238 Zulassungen möglich, während das Datenmodell der Kassenärztlichen Vereinigung mit Demographiebezug einen Bedarf von weiteren über 200 Ärzten ausweist.

 

Eine "Vogel-Strauß-Politik", die mit Bedarfszahlen auf dem Papier hausieren geht und den wirklichen Bedarf aus Kostengründen unter der Decke halten will, könne sich angesichts des Ärztemangels niemand leisten. Wie er besonders betont "passiere dies vor allem zu Lasten der hausärztlichen Versorgung und auf dem Rücken vieler älterer Menschen in den vorrangig von Unterversorgung bedrohten ländlichen Gebieten."

 

Durch die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses für eine veränderte Bedarfsplanung sind in Sachsen voraussichtlich 340 Neuzulassungen in der ambulanten Versorgung möglich. Ein Großteil entfällt dabei auf Hausärzte: 285 könnten im nächsten Jahr in Sachsen neu zugelassen werden. Bei den Zahlen handelt es sich um Hochrechnungen, die durch den Landesausschuss erst noch bestätigt werden müssen und wahrscheinlich ab Januar 2011 Gültigkeit besitzen werden.

 

Übersicht Zulassungen von Hausärzte (Kassenärzte) in Sachsen

 
Aktueller Stand
Mögliche Neuzulassungen
Dresden
331
26
Leipzig
359
1
Chemnitz
166
26
Bautzen
98
6
Döbeln
35
13
Görlitz
90
20
Hoyerswerda/Kamenz
121
15
Löbau-Zittau
90
13
Meißen
93
8
Riesa-Großenhain
70
5
Sächsische Schweiz
85
9
Weißeritzkreis
71
10

Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Sachsen.

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