Interview zum Kurs „Ärztliches Qualitätsmanagement” mit Erik Bodendieck, Vizepräsident und Dr. Maria Eberlein-Gonska, Vorsitzende Ausschuss Qualitätsmanagement

06.09.2011

Herr Bodendieck, Sie als Hausarzt erbringen tagtäglich eine hohe Qualität in der Patientenversorgung. Welchen Nutzen sehen Sie im Kursangebot "Ärztliches Qualitätsmangament"?

In der Beantwortung der Frage "was ist Qualitätsmanagement?" erhalten wir meist zwei konträre Antworten: Es gibt die absoluten Befürworter, welche im Qualitätsmanagement (QM) das alleinige Heil sehen und hier unterschiedliche Arten von QM zugrunde legen. Und die absoluten Gegner, welche meinen "...das haben wir doch schon immer so gemacht!, ...was soll das bringen?, ...das kostet nur Zeit und Geld!". Tatsächlich liegt auch hier die Wahrheit scheinbar in der Mitte. QM ist Mittel zum Zweck, in der Industrie um die Produktionszahlen zu steigern und Fehler zu vermeiden und in der Medizin, um die Patientensicherheit zu gewährleisten. Hierbei sind Fehlermelde- und Vermeidungssysteme nur ein Teil von ärztlichem QM. Es geht um das Grundverständnis und dieses beginnt zum Beispiel bei einer sachgerechten und ordnungsgemäßen Anamneseerhebung der Planung des Behandlungsverlaufes bis zur Heilung des Patienten und der Nachsorgeplanung. Behandlungsübergänge oder die hausärztliche Langzeitbetreuung stellen andere Herausforderungen des heutigen, oft multimorbiden Patientenklientels dar. Ärztliches QM zu verstehen, anwenden zu lernen und kompetent zu nutzen ist die Essenz des Kursangebotes.
 

Der Kurs umfasst 200 Stunden, das ist eine ganze Menge! Vier Wochen werden die Teilnehmer in Referaten und Übungen qualitätsrelevante Themen erfahren und erarbeiten sowie eine Projektarbeit zu einem konkreten Thema selbst erarbeiten. Wem würden Sie die Teilnahme am Kurs empfehlen?

Insbesondere ärztlichem Führungspersonal ist der Kurs dringend zu empfehlen, aber auch bereits der für die Zukunft so wichtige ärztliche Nachwuchs sollte das Kursangebot wahrnehmen.
 

Ein Anreiz könnte ja auch der Erwerb der Zusatzbezeichnung "Ärztliches Qualitätsmanagement" sein; wie schätzen Sie diesen Anreiz ein? Können Patienten das verstehen, wenn die Bezeichnung auf dem Praxisschild steht? Oder welchen konkreten Nutzen sehen Sie?

Ich meine, den Patienten verwirren viele unserer Bezeichnungen aus der Weiterbildungsordnung, da der Patient den Inhalt, der sich dahinter verbirgt, meist nicht kennt und in seiner Komplexität nicht erfassen kann. Ich sehe einen Anreiz im Erwerb der Zusatzbezeichnung weniger in der Führungsfähigkeit, denn in der zum einen gleichen Sprache, welche die Kursteilnehmer erlernen und zum anderen im Nutzen des QM selbst.
 

Herr Bodendieck, Sie sind erstmalig an der wissenschaftlichen Leitung beteiligt. Warum haben Sie als Vizepräsident auch noch diese Aufgabe übernommen?

Ärztliches Qualitätsmanagement liegt mir besonders am Herzen. Vor Jahren, als wir darüber zu sprechen begannen, habe ich oft mit Verwunderung und Unverständnis reagiert. Heute stelle ich fest, dass Qualitätsmanagement integraler Bestandteil unseres Handels ist. Dies gilt nicht nur für stationär tätige Kollegen, sondern auch für die vielen niedergelassenen Ärzte. Kollegialer Austausch und innerärztliche Kommunikation als wesentlicher Bestandteil der Qualitätsförderung sind, je kleiner die Praxis ist, umso weniger möglich. Systematische Fehler implementieren sich hier möglicherweise schneller als in der Klinik, das heißt, Kontrollmechanismen fallen weg und die tägliche Arbeit in der Praxis frustriert vielleicht mehr, als mit dem Wissen um sein eigenes Tun. Es ist für mich wichtig, die Sichtweise eines niedergelassenen Facharztes für Allgemeinmedizin mit langjähriger Weiterbildungserfahrung in die Kursgestaltung einzubringen.
 

Vielen Dank für das Gespräch.
 

Dr. med. Maria Eberlein-Gonska
Vorsitzende Ausschuss Qualitätsmanagement
 

Nachfolgend die wichtigsten Eckdaten zum nächsten Kurs

Ärztliches Qualitätsmanagement (200 Stunden)
nach dem Curriculum der Bundesärztekammer
Termine:
Block 1: 08.11. - 12.11.2011
Block 2: 31.01. - 04.02.2012
Block 3: 20.03. - 24.03.2012
Block 4: Projektarbeit im April 2012
Block 5: 08.05. - 11.05.2012
Ort: Sächsische Landesärztekammer
Schützenhöhe 16, 01099 Dresden
Wiss. Leitung: Frau PD Dr. med habil. Eberlein-Gonska, Frau Dr. med. Möllemann, Herr Bodendieck
Anmeldung/Auskunft: Sächsische Landesärztekammer,
Referat Fortbildung, Frau Richter
Tel.: 0351 8267-329, Fax: -322
Email: qmkurs@slaek.de
Gebühren: 2.600,00 EUR

FZ200

 

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