Tatort Wohnung - Wer schlägt, muss gehen. Wohnungsverweisung jetzt bis zu zwei Wochen möglich

28.11.2011

Gewalt in der Familie in ihren vielfältigen Erscheinungsformen - ob als physische, psychische oder sexualisierte Gewalt - stellt eine der größten Bedrohungen für die Sicherheit und Gesundheit von Frauen und Kindern dar. Häusliche Gewalt an Frauen und Kindern ist nicht nur das Problem Einzelner, sondern eine Erscheinung, die in der Gesellschaft noch viel zu häufig schlicht "übersehen" wird. Besonders für Kinder ist das Aufwachsen in einem gewaltgeprägten Klima verhängnisvoll. Ein solches gewaltgeprägtes Klima in der Kindheit erhöht die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches, später selbst Täter oder Opfer von Gewalt zu werden.
 

Die sächsische Polizei registrierte 2010 im Freistaat 2.711 Fälle von häuslicher Gewalt, von den 2.249 Opfern waren 1.735 Frauen. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die polizeilich festgestellte Fallzahl um rund 22 Prozent zu. Als Hintergründe für diese Entwicklung sind neben der allgemeinen Sensibilisierung der Öffentlichkeit insbesondere die gestiegene Anzeigebereitschaft der Opfer sowie der versierte Umgang der Polizei mit der Zuordnung und Erfassung der verschiedenen Delikte zum Bereich der häuslichen Gewalt zu nennen.
 

Die sächsische Polizei ist seit der Änderung des Polizeigesetzes vom 04.10.2011 befugt, die gewalttätige Person für bis zu zwei Wochen aus der gemeinsam genutzten Wohnung zu verweisen. Mit der Erhöhung der Wegweisungsfrist von 7 Tagen auf zwei Wochen konnte die Situation der Opfer weiter verbessert werden. Ihnen steht nun mehr Zeit zur Verfügung, um gemeinsam mit einer Beratungseinrichtung ihre Lage zu überdenken und weitere Schritte zu planen.
 

Die Hilfs- und Beratungsangebote nutzen jährlich mehr Frauen, aber auch Männer, die von häuslicher Gewalt oder Stalking betroffen sind. Waren dies in Sachsen 2006 nur 1.384 Personen, so suchten 2010 bereits 2.467 Personen Hilfe in Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen, Interventions- und Koordinierungsstellen und Täterberatungsstellen.
 

Die Kommission "Häusliche Gewalt - Gewalt in der Familie" der Sächsischen Landesärztekammer widmet sich insbsondere der Aufklärung und Schulung von Ärzten, Polizei, Betreuern, Mitarbeitern der Sozialämter und Kindertageseinrichtungen, damit diese in die Lage versetzt werden, häusliche Gewalt zu erkennen und rechtzeitig reagieren zu können.
 

Die Kommission verfolgt vor allem die Zielstellung, potentielle Kontaktpersonen von Opfern wie Ärzte, Psychologen, Lehrer und Erzieher für diese Thematik zu sensibilisieren und zu schulen und ihnen Leitlinien zur Erkennung, Dokumentation und Meldung dieser Tatbestände an die Hand zu geben sowie Rechtssicherheit zu vermitteln. Ein weiterer Tätigkeitsschwerpunkt ist die interdisziplinäre Vernetzung ihrer Tätigkeit mit anderen Hilfseinrichtungen; die Mitglieder der Kommission engagieren sich im "Bündnis gegen Gewalt" der Stadt Dresden. 2007 wurde u.a. ein "Sächsischer Leitfaden für Ärztinnen und Ärzte zum Umgang mit Opfern häuslicher Gewalt" im Auftrag des Sächsischen Sozialministeriums erstellt.

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