Mehr Rettungseinsätze - längere Eintreffzeiten. Sparmaßnahmen gehen zu Lasten der Notfallpatienten

25.01.2012

Pro 1.000 Einwohner fallen in Deutschland 53 Notfälle/Jahr an. Das ist eine Steigerung gegenüber 2004/05 um 28,3%. Bei den Notarzteinsätzen sind es 35 Notfälle pro 1.000 Einwohner/Jahr mit einer Steigerungsrate von 48,4%. Bei über 2/5 liegt als Einsatzanlass ein internistischer Notfall vor, Verkehrsunfälle sind nur noch mit 6% beteiligt. Dies teilt die Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands (BAND) mit. Die Bedienschnelligkeit des Rettungsdienstes ist ein wichtiges Merkmal für seine Leistungsfähigkeit. Der Notarzt triff gegenüber vor vier Jahren um 0,5 Minuten später, im Mittel nach 12,3 Minuten am Notfallort ein. Bei 5% der Notarztalarmierungen dauert es über 26,6 Minuten. Aufgrund der Sparmaßnahmen werden sich nach der Prognose der Bundesanstalt für Straßenwesen diese Zeiten in Zukunft noch weiter verschlechtern.

 

Ursachen für die Steigerung von rettungsdienstlichen Einsätzen sind nach Angaben der BAND eine steigende Anspruchshaltung der Bevölkerung, die nicht mehr flächendeckende Versorgung durch Vertragsärzte, die Zunahme der nicht vitalen psychosozialen Notlagen (z.B. Burnout), der demographische Wandel mit Überalterung der Gesellschaft und damit Zunahme chronisch Kranker und multimorbider Patienten sowie ökonomische Zwänge. Die Volkskrankheiten Schlaganfall und Herzinfarkt zeigen eindeutig, dass eine frühzeitige Intervention des Notarztes im Rettungsdienst zur deutlichen Verbesserung des Outcome führen kann und damit zu konkreten Einsparungen im Gesundheitswesen.

 

"Gründe für die Verlängerung der Eintreffzeiten des Rettungsdienstes und des Notarztes sind Einsparungen der Kostenträger mit der Konsequenz der Schließung von Wachen und Minderung des Personals, was letztlich zu Lasten der Notfallpatienten geht.", so der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Dr. med. Michael Burgkhardt. "Die Einordung des Rettungsdienstes als Wirtschaftsunternehmen widerspricht dem gesetzlich definierten Anspruch der Patienten und der Zuordnung als Teil der staatlichen Daseinsvor- und -fürsorge. Es ist ein Irrglaube durch Wettbewerb zu Verbesserungen zu kommen. Es ist nicht berechtigt, die Kosten des Rettungsdienstes gesundheitspolitisch isoliert zu sehen und die Kosteneinsparungen in der Folge zu negieren."

 

In Deutschland erleiden ca. 120.000 Menschen/Jahr einen Kreislaufstillstand. Dabei kommt es auf jede Minute an, um die Möglichkeiten der modernen Notfallmedizin im Rettungsdienst zur Wiederherstellung zu nutzen. Die Notärzte appellieren an die politisch Verantwortlichen von Einsparungen abzusehen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen den aktuellen Bedürfnissen der Praxis anzupassen.

 

Zu ergänzen ist, dass die Zahl der Notarzteinsätze in Ostdeutschland im Regelfall noch deutlich höher ist, als im Rest der Bundesrepublik. So liegt die Notarzteinsatzrate in der Stadt Leipzig mit nahezu 50 Einsätzen pro 1.000 Einwohner und Jahr mit an der Spitze aller deutschen Großstädte.

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