Sächsische Landesärztekammer begrüßt Neuregelung der Organspende

29.03.2012

Berlin/Dresden: Der Bundestag hat am 22. März 2012 neue Maßnahmen zur Organspende verabschiedet. Alle Fraktionen haben sich für die sogenannte Entscheidungslösung ausgesprochen. Die Versicherten sollen künftig regelmäßig über ihre Spendebereitschaft Auskunft geben. Bundesärztekammer und Sächsische Landesärztekammer begrüßen die geplante Neuregelung ausdrücklich. "Angesichts des großen Bedarfs an Spenderorganen ist es unerlässlich, dass eine Erklärung zur Organ- und Gewebespende, wie im Gesetzentwurf vorgesehen, regelmäßig nachgefragt wird.", so der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze.

 

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die Bürger künftig regelmäßig von ihrer Krankenkasse danach befragt werden, ob sie im Todesfall zur Organspende bereit sind. Die Antwort kann jeder auf einem Spenderausweis vermerken. Zudem soll es zukünftig auch mehr Beratung und Informationen zur Organspende geben. Einen Zwang, sich für oder gegen die Organspende zu entscheiden, gibt es aber nicht. Mit der Reform wollen Bundestag und Bundesregierung gemeinsam bewirken, dass sich jeder Mensch einmal im Leben mit der Frage der Organspende bewusst auseinandersetzt.

 

Ebenso wichtig sei, dass eine Entscheidung zur Organspende absolut freiwillig bleiben soll, so Prof. Schulze. Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) soll für die Dokumentation der Organspendebereitschaft genutzt werden und die Krankenkassen sind verpflichtet, eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen. "Dabei muss aber ausgeschlossen werden, dass die Krankenkassen oder unberechtigte Dritte Kenntnis über den Inhalt einer Erklärung erlangen.", betonte der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze.

 

Kritisiert wird von der ärztlichen Selbstverwaltung, dass die Krankenkassen nach dem Gesetzentwurf fachlich qualifizierte Ansprechpartner für Fragen zur Organ- und Gewebespende benennen sollen, Ärzte aber sind in diesem Kontext nicht von vornherein als Ansprechpartner vorgesehen. Prof. Schulze: "Dabei sind aber gerade Ärzte für ihre Patienten die wichtigsten Ansprechpartner bei Fragen zur Organspende".

 

Trotz dieser Kritik decken sich die Pläne des Gesetzgebers in vielen Punkten mit den Vorschlägen der Bundesärztekammer zur Organspende. Diese hatte Ende letzten Jahres ein "Modell einer Selbstbestimmungslösung zur Einwilligung in die Organ- und Gewebespende" erarbeitet und der Politik zugeleitet.

 

Rund 12.000 Deutsche warten jährlich auf ein neues Organ. Allein 8.000 davon benötigen eine neue Niere. Im Gegensatz zu den meisten anderen Organen ist hier auch eine Spende zu Lebzeiten möglich. An der Sächsischen Landesärztekammer gibt es deshalb die "Kommission Lebendspende". Doch fast ein Drittel der Dialysepatienten wartet vergeblich, denn es gibt zu wenige Spender. 2011 kam es zu einem Rückgang der Organspende in Deutschland: 1.200 Menschen haben nach ihrem Tod ihre Organe gespendet, 96 Spender weniger im Vergleich zum Vorjahr. Bundesweit war 2011 daher auch ein Rückgang der gespendeten Organe auf 3.917 zu verzeichnen, während 2010 noch 4.205 Organe gespendet wurden. Rund 15 bis 20 Prozent der Deutschen besitzen einen Organspendeausweis. Dies soll sich mit dem neuen Gesetz nun ändern.

 

Weitere Informationen unter 0351 8267-160.

Seitenfunktionen

Partner

Mein Konto

Schnelleinstieg

Fort- und Weiterbildungskurse für Ärzte