6. Deutsch-Polnisches Symposium in Görlitz/Zgorzelec eröffnet

23.04.2015

Heute hat Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, in Görlitz/Zgorzelec das 6. Deutsch-Polnische Symposium der Sächsischen Landesärztekammer und der Niederschlesischen Ärztekammer im Dom Kultury Zgorzelec mit rund 200 Gästen eröffnet. Seit nunmehr 20 Jahren besteht eine enge Zusammenarbeit der Niederschlesischen und der Sächsischen Landesärztekammer, wodurch sich konkrete Initiativen entwickelten, die zu messbaren Ergebnissen führten. Besonders betont werden muss dabei die Organisation regelmäßiger Symposien, die unter dem Motto „Vergangenheit verstehen - Zukunft gestalten" stehen. Gemäß dem Leitmotiv der Symposien umfasst das Programm jedes Symposiums sowohl historische als auch aktuelle politische Themen, mit denen die Ärzte und die für die Gestaltung der Gesundheitspolitik in beiden Ländern verantwortlichen Personen konfrontiert sind.

 

Neben den Teilnehmern des Symposiums begrüßte er insbesondere

Frau Hanna Suchocka, ehemalige Ministerpräsidentin Polens, Justizministerin und Botschafterin beim Heiligen Stuhl,

Herrn Dr. Jacek Chodorski, Präsident der Niederschlesischen Ärztekammer,

Herrn Dr. Konstaty Radziwiłł, Vizepräsident der polnischen Ärztekammer,

Herrn Cezary Przybylski, Marschall der Wojewodschaft Niederschlesien,

Herrn Dr. Ulrich Rohde von der Sächsischen Staatskanzlei,

Herrn Rafal Gronicz, Bürgermeister von Zgorzelec sowie

Herrn Dr. med. Rolf Weidle, Stadtrat von Görlitz.

 

In seiner Rede ging er auf die Bedeutung der Europastadt Görlitz ein. Diese Stadt, auch bekannt unter dem Namen „Görliwood", werde aufgrund der vielen hier gedrehten Hollywood-Filme auch international immer bekannter. Görlitz besitzt über 4.000 größtenteils sorgfältig restaurierte Baudenkmäler und gilt damit als größtes Flächendenkmal Deutschlands. Auf engstem Raum stehen hier Denkmale vieler Epochen - vom Mittelalter bis zur Nachkriegszeit. Die Stadt Görlitz verdankt ihren Reichtum der Lage an der berühmten Ost-West-Handelsstraße, der via regia. Als Treffpunkt für das bereits 6. Symposium sei diese Stadt aufgrund der Grenznähe zu den polnischen Nachbarn bestens geeignet.

 

Das diesjährige Symposium widmet sich unter anderem der gesundheitlichen Lage in Deutschland und Polen, dem 25-jährigen Jubiläum der (zahn-)ärztlichen Selbstverwaltung in Sachsen und Niederschlesien, der Berufshaftpflicht der Ärzte, sowie den MRSA-Infektionen in Sachsen und Niederschlesien.

 

Prof. Schulze: „70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges treffen wir uns in diesem Jahr in den Städten Görlitz und Zgorzelec. Das Dom Kultury Zgorzelec, in dem wir heute das Symposium eröffnen, nannte sich vormals Oberlausitzer Ruhmeshalle und wurde am 28. November 1902 durch Kaiser Wilhelm II. feierlich eröffnet. 1950 wurde in diesem Bauwerk das Görlitzer Abkommen über den von Stalin diktierten Verlauf der Deutsch-Polnischen Grenze zwischen der DDR und Polen unterzeichnet. Diese Grenze war in der DDR als Oder-Neiße-Friedensgrenze bekannt und trennte uns mehr, als das sie verband. Heute sind wir hier zusammengekommen, um Brücken zwischen unseren beiden Ländern zu schlagen. Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen hat in den letzten 25 Jahren deutlich zugenommen: es gibt zweisprachige Kindertagesstätten und Polnisch-Unterricht an deutschen Schulen.

 

Genau wie die Altstadtbrücke Görlitz und Zgorzelec seit der Fertigstellung am 20. Oktober 2004 verbindet, so sollen auch unsere Symposien dabei helfen, Brücken zwischen den sächsischen und niederschlesischen Ärzten zu schlagen, die Zusammenarbeit zu stärken, um grenzüberschreitende Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Brücken spielen hier auch sonst eine große Rolle.

Zur Bewältigung der gemeinsamen Geschichte gehört auch die symbolische Rückgabe von 262 Doktortiteln im Januar 2015, die in der Zeit des Nationalsozialismus an der Universität Breslau aberkannt wurden. Besonders viele jüdischen Mitbürger, wie das Medizinerpaar Elfriede und Karl Danzig, haben so ihre Titel zurück erhalten.

Zudem fand am 15. Januar 2015 die feierliche Eröffnung des Europäischen Zentrums für Bildung und Kultur MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN sowie die Aufführung des "Quartetts auf das Ende der Zeit" im ehemaligen Stammlager VIII A Görlitz-Moys (heute: Zgorzelec-Ujazd) statt. Dieses Stammlager diente einst den Nationalsozialisten für kriegsgefangene Mannschaften und Unteroffiziere. Auch dieses Europäische Zentrum ist das Ergebnis einer erfolgreichen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Es ließen sich noch viele weitere bedeutende Beispiele finden. Sie alle zeigen auf besondere Weise das friedliche Zusammenwachsen Europas, über kulturelle, sprachliche und politische Grenzen hinweg. Über diese Entwicklung freue ich mich besonders."

 

Das 1. Symposium fand 2001 in Krzyzowa (Kreisau) statt. Kreisau wurde mit Bedacht gewählt, da am Familiensitz der Familie Moltke der bekannte Kreisauer Kreis gegründet wurde und am 9. November 1989 die freundschaftliche Begegnung des polnischen Premiers Masowiecky mit dem damaligen Bundeskanzler Kohl stattfand. Die Thematik des 1. Symposiums konzentrierte sich damals auf die Völkerverständigung, die deutsch-polnische Nachbarschaft und die grenzüberschreitende Entwicklung der Medizin. Egon Bahr hielt einen beeindruckenden Vortrag über die Europäische Union. Sein Credo „Wandel durch Annäherung".

 

Gegenstand des 2. Symposiums, das 2003 in Meißen organisiert wurde, waren die praktischen Aspekte des EU-Beitritts Polens, insbesondere die Probleme der Fortbildung und Weiterbildung der Ärzte in beiden Ländern, sowie die Bedingungen der Betreibung einer ärztlichen Praxis in

Polen und Deutschland.

 

Ziele und Formen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit beider Ärztekammern wurden auf eine besondere Weise in den Referaten und in der Diskussion während des 3. Symposiums, das in Wroclaw 2005 stattfand, dargestellt. Zu einem wichtigen Diskussionsthema während dieses Symposiums wurde auch die Frage der Gesundheitssysteme angesichts der EU-Erweiterung sowie der Auswanderung der niederschlesischen Ärzte.

 

Das 4. Symposium fand 2008 in Dresden statt. Die Vorträge dort beschäftigten sich unter anderem mit den europäischen Entwicklungen in der Gesundheits- und Sozialpolitik sowie der aktuellen gesundheits- und berufspolitischen Situation der Ärzte aus Sachsen und Niederschlesien.

Die Thematik des 5. Symposiums, das 2011 am Schloss Ksiaz bei Waldenburg stattfand, konzentrierte sich unverändert auf Fragen der Gesundheitsvorsorge und der Rolle der ärztlichen Selbstverwaltung, sowie auf die beruflichen Perspektiven der Ärzte und Fachärzte. Das 5. Symposium war zudem das erste, an dem auch Ärzte aus der Slowakei und Tschechien teilgenommen haben.

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