Erstaufnahmeeinrichtung Dresden: Medizinische Versorgung der Asylsuchenden vorerst abgesichert

20.08.2015

In der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Dresden wird die medizinische Versorgung aktuell von rund 200 freiwilligen Helfern abgesichert. Die medizinische Betreuung, die zunächst in einem Zelt stattfand, ist inzwischen in Räume des DRK umgezogen. Dadurch hat sich die Situation für die Flüchtlinge erheblich verbessert. Das erklärten das Organisationsteam und die Sächsische Landesärztekammer heute in Dresden.

 

Bereits kurz nach dem Aufbau des ersten Zeltlagers arbeiteten einzelne Mediziner freiwillig vor Ort. Seit dem 27.7.15 wird eine ärztliche Sprechstunde organisiert. Inzwischen sind mehr als 200 freiwillige Pflegekräfte, Hebammen, Medizinstudenten und Ärzte aus allen Dresdner Krankenhäusern sowie niedergelassene Ärzte beteiligt. Sie helfen trotz harter Arbeitstage in Praxis und Klinik vor Ort. Ohne sie wäre eine reguläre medizinische Versorgung der Flüchtlinge auf Grund der bisher fehlenden Planung nicht möglich.

 

Täglich werden in der Sprechstunde ca. 60-90 Patienten jeden Alters behandelt. Für die Versorgung von Kindern stehen Pädiater und Kinderkrankenschwestern bereit, für Probleme während der Schwangerschaft Hebammen. Patienten in kritischem Zustand und solche, die erweiterter Diagnostik bedürfen (wie Blutentnahmen, Bildgebung) werden zu umliegenden Arztpraxen überwiesen oder in Krankenhäuser eingewiesen. Sprachliche Barrieren werden durch den koordinierten Einsatz von ehren- und hauptamtlichen Dolmetschern verringert.

 

Die Patienten weisen eine Bandbreite an verschiedenen akuten Problemen auf. Dazu gehören diverse akute Gelenkbeschwerden aufgrund monatelangen Durchmarschierens auf der Flucht, Kriegsverletzungen, Traumata sowie Infektionen jeder Art (obere Atemwege, HNO-Bereich, Haut, Blasenentzündungen etc.) und akute Verschlechterungen chronischer Erkrankungen. Es traten auch Fälle von Scabies ("Krätze") auf. Hier wurde in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt ein Hygieneplan aufgestellt. Die Erkrankung ist einfach zu behandeln, die Fallzahlen sind stabil und erfüllen nicht die Kriterien einer Epidemie. Es gab bisher nicht einen Fall einer offenen Tuberkulose-Erkrankung. Grundsätzlich besteht derzeit keinerlei Ansteckungs-Gefahr für Dresdens Bürger!

 

Für die medizinische Versorgung von Asylsuchenden in Sachsen besteht weiter dringender Handlungsbedarf.

1.         Vordringlich ist der Aufbau einer koordinierten, zentralisierten und langfristig etablierten Struktur, um eine Sicherstellung der medizinischen Versorgung der täglich eintreffenden Flüchtlinge nicht nur in Dresden zu gewährleisten.

2.         Damit eine strukturierte und effiziente Kommunikation und Koordination möglich wird, muss ein Steuerungsgremium mit Vertretern des Landes, der Stadt, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Krankenkassen, der Sächsischen Landesärztekammer, des DRK und ungebundenen Helfern implementiert werden.

3.         Und es muss eine Klärung der langfristigen medizinischen Versorgung von Flüchtlingen und Asylbewerbern in Sachsen erfolgen.

 

Grundsätzlich gilt, dass die ärztliche Versorgung eines akut erkrankten Menschen aus ethischen und moralischen Gründen immer und überall ohne Ansehen der Person, seiner Religion, seiner Herkunft, seiner Sprache oder seines Aufenthaltsstatus erfolgen muss. Ein Urteil über die Rechtmäßigkeit seines Aufenthaltes im jeweiligen Land oder eine Entscheidung über die Finanzierung der erbrachten Leistungen kann und sollte dabei nicht von Ärzten getroffen werden. Dies obliegt den zuständigen Behörden.

 

In die ehrenamtliche Arbeit sind auch das Netzwerk "Dresden für Alle e.V.", „Medinetz Dresden e.V." und der Landesverband Jüdischer Ärzte und andere medizinische Berufe involviert. Es besteht auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Dresden und den Dresdner Krankenhäusern.

 

Rückfragen zu dieser Presse-Erklärung richten Sie bitte an die Ärztliche Geschäftsführerin,
Frau Dr. Patricia Klein, E-Mail: assaegf@slaek.de.

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