Medizinische Versorgung von Asylbewerbern in ländlichen Regionen

07.12.2015

Die steigenden Zahlen der Asylbewerber in Sachsen stellen an Hausärzte erhebliche Anforderungen. Gerade in ländlichen Regionen sind die Ärzte schon jetzt oft überlastet. Die zusätzliche Versorgung von manchmal einigen 100 Flüchtlingen in kleinen Gemeinden mit ein bis zwei Hausärzten ist daher schwer zu schaffen. In vielen Erstaufnahmeeinrichtungen haben sich deshalb  ärztliche Sprechstunden bewährt, die, unterstützt von Hilfspersonal des jeweiligen Betreibers, in den Räumen der Erstaufnahme stattfinden. Viele Erkrankungen lassen sich vor Ort behandeln und da Dolmetscher vor Ort sind, ist manches einfacher als in der Praxis. Leider finden diese Sprechstunden nach wie vor im Ehrenamt statt, was auf Dauer keine Lösung sein darf. Die Sächsische Landesärztekammer arbeitet daran, diese Sprechstunden auf Honorarbasis zu ermöglichen. Hausärzte können in diesen Sprechstunden unter Nutzung der in den Erstaufnahmeeinrichtungen vorrätigen „Krankenbehandlungsscheine für Leistungsberechtigte nach § 4 AsylbLGes" die Fälle über ihre Praxis abrechnen. Kostenträger ist hier immer die Landesdirektion Chemnitz. Diese Sprechstunden entlasten nicht nur die örtlichen Praxen erheblich, sondern auch die Notfallambulanzen der Krankenhäuser, weshalb sich hier auch viele Kollegen aus den Krankenhäusern engagieren.

 

Die Finanzierung der medizinischen Versorgung der Asylbewerber richtet sich nach dem Ort der Unterbringung. Bei Flüchtlingen, die in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht sind, ist der Kostenträger immer die Landesdirektion Chemnitz. Wenn die Flüchtlinge schon einem Landkreis zugeteilt wurden, ist der Kostenträger das zuständige Sozialamt. Den Kostenträger findet man auf dem entsprechenden Krankenbehandlungsschein, den der Patient außer in Notfällen immer vorlegen muss. Zu den Details der Zuständigkeiten und der Finanzierung, aber auch zu Haftungsfragen und vielen anderen Problemen finden sich Informationen auf den Internetseiten der Sächsischen Landesärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen.

 

Derzeit wird gemeinsam mit der Landesdirektion Sachsen und dem sächsischen Sozialministerium an einer Interpretationshilfe zum AsylbLGes gearbeitet, die noch vor Jahresende online gestellt wird. Denn in der Versorgung kristallisieren sich immer die gleichen Probleme heraus, die sich insbesondere bei chronischen Erkrankungen ergeben. Da das AsylbLGes vornehmlich eine Behandlung im Notfall und bei Schmerzen zulässt, ergibt sich immer die Frage, ob man eine chronische Erkrankung erst eskalieren lassen muss, bevor sie behandelt werden darf. Hier ist schon jetzt Konsens, dass die vorbeugende Verhinderung eines Notfalles bei einer chronischen Erkrankung ebenfalls behandelt werden darf.

 

Auch für Asylbewerber gilt die Arzneimittelrichtlinie des GBA, darüber hinaus darf nur die Packungsgröße N1 rezeptiert werden (einzige Ausnahme bisher ist die Verordnung von Permethrin zur Behandlung der Krätze, weitere Ausnahmen bei chronischen Erkrankungen sind in Verhandlung). Asylbewerber sind generell von der Zuzahlung befreit.

 

Die Situation in den Städten Dresden, Leipzig und Chemnitz hat sich durch die Einrichtung von Flüchtlingsambulanzen, die durch die KV-Sachsen betrieben werden, entspannt. Hier arbeiten fest angestellte Allgemeinmediziner und teilweise auch andere Fachrichtungen (Pädiater, Chirurgen, Gynäkologen). Da in der Regel Dolmetscher vor Ort zur Verfügung stehen, ist eine geregelte Kommunikation möglich. Aus diesen Praxen heraus erfolgen dann die weiteren Zuweisungen zur fachärztlichen Versorgung.

 

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