Impfen in Apotheken – Sächsische Landesärztekammer lehnt Vorstoß des Ministers ab

Ärztinnen und Ärzte sind und müssen die ersten Ansprechpartner zum Thema Impfen bleiben.

15.10.2018

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat beim Deutschen Apothekertag erneut in den Raum gestellt, den deutschen Apothekern Impfungen in den Apotheken zu gestatten. "Die von ihm angeführten Gründe rechtfertigen eine solche Maßnahme in keiner Weise. Impfen ist kein 'Geschäft'. Impfen ist eine präventive Maßnahme zur Gesunderhaltung der Bevölkerung bzw. zur Verbesserung der Volksgesundheit", so der Präsident der Landesärztekammer, Erik Bodendieck.

 

Impfen ist die beste Prävention gegen Infektionserkrankungen und deren Folgen und stellt die Ausübung der Heilkunde dar, steht somit als Gesamtprozess "Indikationsstellung, Aufklärung, Durchführung und Nachsorge" in ärztlicher Verantwortung. Auch wenn die Komplikationsrate sehr gering ist, ist die Übergabe dieser Leistung an Nichtärzte eine eindeutige Verschlechterung der bisher geübten Versorgungspraxis für die Patienten. Die Indikationsstellung, ob überhaupt geimpft werden darf, setzt eine sorgfältige ärztliche Anamnese voraus. Die Aufklärung setzt ärztliche Kenntnisse über die komplexen Zusammenhänge von individuellen Vorerkrankungen und Wirkmechanismen der spezifischen Impfung voraus.
"Diese ärztlichen Tätigkeiten, von denen auch nach RKI-Beurteilung nur die Impfung als solche an Assistenzpersonal delegiert werden kann (und zwar unter Berücksichtigung aller Pflichten im Zusammenhang mit delegationsfähigen Leistungen), an Nichtärzte zu übertragen, ist kontraproduktiver politischer Aktionismus, gegen den wir aufs Schärfste protestieren," betont Bo-dendieck.

 

Die Problematik der vollen Wartezimmer bei Ärztinnen und Ärzten mit dem wichtigen Thema Impfen zu verbinden geht fehl, da das Grundproblem der vollen Praxen nicht durch impfwillige Patienten verursacht wird, sondern viele Gründe hat. Gleichzeitig ist die Impfmüdigkeit der Bevölkerung und das Erstarken der Impfgegner nicht auf volle Praxen zurückzuführen.
Viele der Gründe für volle Praxen liegen in einer Fehlentwicklung im deutschen Gesundheitswesen in den letzten 20 Jahren, für die Politik und Selbstverwaltung durchaus mit verantwortlich sind.
Um der Impfmüdigkeit in der Gesellschaft Herr zu werden, sollte die Politik mit den Ärzten zusammen weiter zielstrebig an einem Maßnahmenplan arbeiten. Versorgungsproblemen wird man nicht dadurch Herr, dass man die Qualifikation der Versorgenden niedriger ansetzt.

 

Weitere Informationen unter 0173 6242315 oder 0351 8267-160.

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