In Sachsen gehen auch die Kinderärzte aus

20.06.2007

Dresden: Die Sächsische Landesärztekammer weist heute auf der Grundlage ihrer Zahlen auf einen bevorstehenden Ärztemangel bei den Fachärzten für Kinder- und Jugendmedizin in Sachsen hin. Rein statistisch ist die Zahl der berufstätigen Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin von 823 im Jahre 1995 auf 701 im Jahre 2006 in Sachsen gesunken. "Ich sehe anhand des Altersdurchschnitts vor allem ein Nachwuchsproblem. Viele Ärzte werden in den nächsten Jahren in Rente gehen, aber junge Ärzte haben wir als Nachfolger dagegen nicht.", so Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer.

 

Die Anzahl der niedergelassenen Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin ist von 1995 bis 2006 ebenfalls von 428 auf 387 gesunken. Auch die Zahl der angestellten Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin im Krankenhaus hat sich im gleichen Zeitraum von 307 auf 268 reduziert. Und von ehemals 79 Fachärzten für Kinder- und Jugendmedizin im Öffentlichen Gesundheitsdienst sind noch ganze 34 vorhanden.

 

Von 1995 bis 2006 ist der Anteil der über 60jährigen niedergelassenen Fachärzten für Kinder- und Jugendmedizin von 19 auf 121 gestiegen. Das sind 31 % der niedergelassenen Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin im Jahre 2006. Die Zahl der unter 40jährigen berufstätigen Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin in Klinik und Praxis, also der Nachwuchs, ist von 223 auf 69 gesunken.

 

Prof. Schulze: "Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass die Ärzte in Sachsen einen hohen Altersdurchschnitt haben und kaum noch junge Ärzte "nachrücken". Dadurch entsteht innerhalb der kommenden fünf Jahre eine erhebliche Lücke in Praxis und Klinik". Bei den niedergelassenen Ärzten sind bereits 28 über 66 Jahre alt und werden sicher demnächst in den Ruhestand gehen. Hinzu komme, dass niedergelassene Ärzte eigentlich vor dem 65. Lebensjahr in Rente gehen würden, weil sie auf Grund der Arbeitsbelastung "ausgebrannt" sind. Allerdings fänden sie ähnlich wie im Hausarztbereich keine Nachfolger. Bereits entstehende Lücken müssten über Ärzte aus anderen Bundesländern geschlossen werden, so sie denn nach Sachsen kommen würden. Anzeigen in deutschen Fachzeitschriften blieben aber meist ohne Reaktion, obwohl Ärzte sogar bereit wären, ihre Praxis für nur einen Euro abzugeben und so auf einen wichtigen Teil der Altersvorsorge zu verzichten. Die Hausärzte könnten die kleinen Patienten zwar mit versorgen, aber auch dort besteht vielerorts Ärztemangel.

 

Auf diese Entwicklung der Arztzahlen hat die Sächsische Landesärztekammer bereits 2001 hingewiesen. Aber anders als bei der Gruppe der Hausärzte hat es seitens der zuständigen Einrichtungen keine Gegenmaßnahmen bei den Fachärzten für Kinder- und Jugendmedizin gegeben. Ähnlich wie bei den Hausärzten müssten verschiedene Anreize geschaffen werden, um Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin nach Sachsen zu bekommen (finanzielle Förderung, weniger Bürokratie, Vergütung). Zugleich müssten mehr junge Ärzte für eine Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin gewonnen werden. Dies wäre über Patenschaften zwischen Medizinstudenten und niedergelassenen Fachärzten für Kinder- und Jugendmedizin denkbar.

 

Rückfragen unter 0351 8267 160.

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