Kontrolle der Krankenhaushygiene in Sachsen mangelhaft

30.08.2010

Dresden: Nach dem Tod dreier Babys in der Mainzer Universitätsklinik durch verunreinigte Infusionen will Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) einen Vorstoß starten, um die Hygiene in den Krankenhäusern zu verbessern. Bei der nächsten Gesundheitsministerkonferenz sollen gemeinsam mit den Landesministerien zusätzliche Regeln für eine bessere Hygiene erörtert werden. "Nach geltender Rechtslage liegt die Krankenhaushygiene in der Kompetenz der Bundesländer.", so der Vizepräsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck.

 

"In der Vergangenheit haben wir immer wieder darauf hingewiesen, dass eine wirksame Kontrolle der Krankenhäuser durch die Einrichtungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) aus Kostengründen nicht mehr gewährleistet ist." Die Sächsische Landesärztekammer (Ausschuß Hygiene und Umweltmedizin) hat in seinem 2008 abgehaltenen 24. Dresdner Kolloquium "Nosokomiale Infektionen" auf diese ernste Problematik und die gravierenden diesbezüglichen Defizite auch in Sachsen hingewiesen. (Zusammenfassung veröffentlicht im ÄBS 2/2009, S.60-63).

Der diesjährige Deutsche Ärztetag in Dresden hat deshalb die zuständigen Landesministerien aufgefordert, das Fach Hygiene als eigenständiges medizinisches Institut an den medizinischen Fakultäten zu erhalten. Und der 20. Sächsische Ärztetag hatte zuletzt im Juni 2010 das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz aufgefordert, die Arbeitsfähigkeit des ÖGD mit seinen Behörden und der zugeordneten medizinischen Landeseinrichtung (Landesuntersuchungsanstalt - LUA) in vollem Umfang zu gewährleisten.

 

Der ÖGD hat historisch gewachsene präventivmedizinische Aufgaben, die in einer modernen Gesellschaft und im Rahmen der Globalisierung ständig zunehmen. Diese sind unter anderem Seuchenhygiene, Infektionsepidemiologie, Krankenhaushygiene, Hygiene der Gemeinschaftseinrichtungen sowie die Überwachung aus gesundheitlichen Gefahren im Blutspendewesen der Gentechnik.

 

Im Rahmen von Sparzwängen erfolgten massive personelle und materielle Einsparungen, oft verdeckt als Verwaltungsreform deklariert. "Viele der gesetzlich fixierten Aufgaben werden deshalb oft unvollkommen oder gar nicht mehr wahrgenommen, wie z. B. die krankenhaushygienische Überwachungen.", so Erik Bodendieck. Ob die Gründung eines Netzwerkes gegen multiresistente Erreger etwas an der Situation ändert, bleibt abzuwarten.

 

Rund ein Drittel der Infektionen im Krankenhaus ließen sich durch die Kontrollen vermeiden. In jedem Krankenhaus sollte es einen Hygieneplan, eine Hygienekommission und einen Hygienebeauftragten geben. Die Realität aber ist, dass in Deutschland nicht ausreichend Hygieniker zur Verfügung stehen. Lehrstühle für Hygiene werden zunehmend nicht mehr nach besetzt. Die Institute werden aus finanziellen Gründen aufgelöst oder umgewidmet.

 

Weitere Informationen zu dieser Pressemitteilung unter 0351 8267-160

Seitenfunktionen

Partner

Mein Konto

Schnelleinstieg

Fort- und Weiterbildungskurse für Ärzte